Obdachlosigkeit hat keine Saison, sagt die Hilfsorganisation Emmaus aus Niederösterreich. Ihre Schlafstellen sind mittlerweile fast das ganze Jahr belegt.
Zehn Millionen Euro wurden im Vorjahr vom Land an Hilfsorganisationen ausgezahlt, die Menschen ohne Dach über dem Kopf helfen, heißt es aus dem Büro von der zuständigen Landesrätin Eva Prischl. Zum Beispiel an die Wohnhäuser der Emmausgemeinschaft in St. Pölten und Wiener Neustadt, wo laut Betreuer Lorenz Hochschorner „selbst Menschen, die früher gedacht haben, Obdachlosigkeit werde sie nie treffen“, landen. Auslöser bei Männern sind oft eine Trennung oder der Jobverlust. „Dann häufen sich die Schulden, früher oder später verliert man die Wohnung“.
Bei Frauen ist das Problem komplexer. „Weibliche Wohnungslosigkeit im öffentlichen Raum ist oft weniger sichtbar“, sagt Rita Olah, die das Wohnhaus für Frauen betreut. Sie erzählt von Frauen, die oft jahrelang trotz Gewaltsituationen versuchen, irgendwie ein Dach über dem Kopf zu behalten. Was beide Geschlechter trifft: „Psychische- oder Suchterkrankungen verschlimmern die Situation deutlich. Oft dauert es ein Jahr, bis jemand Hilfe überhaupt annimmt“, heißt es von der Hilfsorganisation. Wer bei Emmaus anruft, bekommt, wenn möglich, eine freie Schlafstelle.
8351 Nächtigungen 2025
Wer nur tagsüber bleibt, kann auch Wäsche waschen, duschen, essen und Zeit mit Menschen verbringen. „Die Betreuung bei uns ist aber freiwillig – man kann jederzeit gehen“, sagt Hochschorner. Im Jahr 2025 zählte Emmaus insgesamt 8351 Nächtigungen. „Wir haben versucht, Zahlen für einzelne Gebiete in Niederösterreich zu erfahren, das ist aber unmöglich“, heißt es aus dem Regierungsbüro. Meistens halten sich Menschen ohne Dach in städtischen Gebieten auf.
Gemeldet wurden Personen oft durch einen „Kälte-Anruf“, um jemanden im Winter vor dem Erfrieren zu schützen. Das Problem löst sich bei der Hitze im Sommer aber nicht auf, sondern wird oft sogar schlimmer. „Obdachlosigkeit hat keine Saison. Frieren ist nur offensichtlicher als Schwitzen“, betonen die beiden Emmaus-Betreuer.
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