Psychische Erkrankungen können Menschen jeden Alters und in allen Lebenssituationen treffen. Entstigmatisierung, Prävention und eine wohnortnahe Versorgung sind entscheidend. Ab 2027 wird die psychiatrische Versorgung in der Steiermark um einen wichtigen Standort erweitert: In Bruck entsteht die neue Psychiatrie am LKH Hochsteiermark.
Psychische Erkrankungen gehören zur Lebensrealität vieler Menschen: In Österreich ist im Laufe eines Jahres knapp jeder vierte Erwachsene betroffen. Demnach gaben in einer repräsentativen Befragung nahezu 40 Prozent der Befragten an, bereits selbst eine psychische Erkrankung erlebt zu haben – die Bandbreite reicht dabei von Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen, Essstörungen und Suchterkrankungen bis hin zu schweren psychischen Erkrankungen sowie alterspsychiatrischen Krankheitsbildern und Demenz.
Die Durchschnittsdauer der Krankenstände bei psychischen Erkrankungen liegt mit 36,7 Tagen gleich hinter jenen für Krebserkrankungen.

Dr. Michael Schneider, Primarius der Abteilung für Psychiatrie 2 am LKH Graz II, Standort Süd
Bild: Sissi Furgler Fotografie
Ein Thema also, das alle betrifft – weg von der Stigmatisierung hin zu psychischer Gesundheit als Teil der allgemeinen Gesundheit.
Wohnortnahe Versorgung
Wichtig ist es, frühzeitig Unterstützung zu suchen, um sich vermehrtem Druck oder Krisensituationen besser stellen zu können. Je nach Erkrankung und Unterstützungsbedarf kommt eine ambulante, tagesklinische oder stationäre Betreuung und Behandlung in Frage.
Die Angebote sind vielfältig. Wichtig ist, dass Menschen möglichst früh jene Unterstützung bekommen, die sie brauchen.

Dr. Michael Schneider, Primarius der Abteilung für Psychiatrie 2 am LKH Graz II, Standort Süd
Bild: Sissi Furgler Fotografie
Ziel ist es, durch individuelle Behandlungsansätze Stabilität zu schaffen, die Selbstständigkeit zu erhalten beziehungsweise wiederzuerlangen, soziale Beziehungen zu stärken und Arbeits- und Alltagsfähigkeit zu fördern.
Neue Psychiatrie für die Obersteiermark
Ein wichtiger Schritt für eine stärker regional ausgerichtete psychiatrische Versorgung erfolgt ab 2027 in der Obersteiermark: Mit der neuen Psychiatrie am LKH Hochsteiermark, Standort Bruck, entsteht erstmals eine stationäre allgemeinpsychiatrische Versorgung direkt in der Region. Damit wird das bestehende psychiatrische Versorgungsangebot in der Steiermark um einen zweiten wichtigen stationären Schwerpunkt neben dem LKH Graz II, Standort Süd, ergänzt. Für Menschen aus der Obersteiermark bedeutet das kürzere Wege und eine psychiatrische Anlaufstelle näher an ihrem Lebensumfeld. Der Gesundheitsfonds Steiermark bezeichnet die neue Psychiatrie in Bruck ausdrücklich als erstes stationäres psychiatrisches Angebot für die Obersteiermark.
Raum für moderne Behandlung
Die neue Abteilung am LKH Hochsteiermark wird dabei umfassend aufgestellt: Geplant sind 88 stationäre Betten und 12 tagesklinische Plätze. Ergänzt wird das Angebot durch eine psychiatrische Ambulanz, eine Suchtmedizinische Ambulanz, eine Akutaufnahme sowie Therapie- und Sozialdienstbereiche. Die Inbetriebnahme ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen.
Auch baulich setzt der Neubau auf eine Umgebung, die den Genesungsprozess unterstützt. Helle Räume, kurze Wege, Rückzugsmöglichkeiten, begrünte Bereiche und Patientenzimmer in Holzbauweise sollen eine möglichst angenehme Atmosphäre schaffen. Der Neubau mit einem Investitionsvolumen von rund 51 Millionen Euro wurde im April 2025 gestartet.
Der Mensch und sein Lebensumfeld im Mittelpunkt
„Gute Versorgung möglichst nahe am Lebensumfeld und eine enge Vernetzung der unterschiedlichen Angebote können zusätzlichen Stress für Betroffene und ihre Angehörigen reduzieren“, sagt Schneider. Dabei bleibe stets die individuelle Lebenswirklichkeit der Menschen im Blick: „Gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten entwickeln wir im multiprofessionellen Team eine Behandlung, die bestmöglich auf ihre persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist.“