Der Staatsbesuch der Superlative hat begonnen: US-Präsident Donald Trump hat Chinas Staatschef und dessen Gattin höchstpersönlich am Flughafen willkommen geheißen – das tat er vorher nur beim britischen Königspaar. Bevor man sich am Donnerstag zu formellen Gesprächen und einem Staatsbankett trifft, wurde bekannt, dass die beiden Länder ihren „Waffenstillstand“ bei Handel und Zöllen bis Jänner verlängern.
Dieser dreitägige Staatsbesuch als Gegenbesuch innerhalb eines Jahres gibt bei allem Glanz und Gloria Rätsel auf. Das gab es noch nie. Erst im Frühjahr waren die Trumps in Peking festlich bewirtet worden. Nun begrüßten Trump und First Lady Melania das chinesische Präsidentenpaar offiziell auf dem Militärflugplatz Joint Base Andrews nahe der US-Hauptstadt Washington, wohin die Trumps mit der Marine One geflogen waren. Dass der US-Präsident einen ausländischen Staats- oder Regierungschef selbst am Flughafen empfängt anstatt erst dann im Weißen Haus, ist äußerst selten.
Trump und Xi tauschten am Fuß der Flugzeugtreppe ein paar Worte, ehe Kinder Xi und seiner Frau Blumensträuße überreichten. Nach einem kurzen Gang über den roten Teppich spielte eine Militärkapelle die Nationalhymnen beider Länder. Während der US-Hymne flogen Bomber vom Typ B1 über die Gäste der Zeremonie – der Lärm war so ohrenbetäubend, dass Trump das Gesicht verzog und sich mit einer Bemerkung an Xi wandte.
Wilder KI-Wettlauf zwischen USA und China
China und die USA zeigen das Bild zweier Staatschefs, die durch zeremonielle Höflichkeiten verhindern wollen, dass der Vulkan einer Jahrhundertrivalität unter ihren Füßen offen ausbricht. Es gilt, die Leidenschaften zu zähmen. Denn: Das Entwicklungstempo der Künstlichen Intelligenz steigert sich zu einem wilden Wettlauf USA – China. Der chinesische Handelsüberschuss gegenüber den USA bricht alle Rekorde und China wird durch Trumps Iran-Krieg und die daraus resultierende Ölblockade massiv geschädigt.
Nach einem kurzen Austausch am Flughafen – und nachdem Xi und seine Entourage in Limousinen davongefahren und Trump und Melania wieder zurück ins Weiße Haus geflogen waren – gab US-Finanzminister Scott Bessent bekannt, dass das Busan-Abkommen, das eine Pause für Zusatzzölle im Handelsstreit zwischen den beiden Ländern vorsieht, bis zum 10. Jänner verlängert werde.
„Wir haben uns heute getroffen, um auszuloten, ob wir ein größeres Abkommen anstelle einer Reihe kleinerer Schritte erreichen können“, sagte Bessent dem Sender Fox News nach einem Treffen mit dem chinesischen Vizeregierungschef He Lifeng. China hätte nach Informationen der Nachrichtenagentur AP gerne eine noch längere Zoll-Pause gehabt.
China will seinen Aufstieg in Ruhe fortsetzen
Trump betont immer wieder sein gutes persönliches Verhältnis zu Xi. Der lächelt stets unverbindlich zurück. Peking sieht als Ziel der Beziehungen die Herstellung einer „strategischen Stabilität“, damit es seinen Aufstieg in Ruhe fortsetzen kann.
Noch lehnen sowohl Trump als auch Xi Forderungen aus aller Welt ab, die Künstliche Intelligenz im Zaum zu halten. Trump hat zum Staatsbankett am Abend alle Hightech-Götter eingeladen, welche die USA China vor die Nase setzen können – darunter Tesla-Chef Elon Musk, Amazon-Gründer Jeff Bezos sowie Topmanager von Google und Apple. Vorher wollen Trump und Xi noch zu formellen Gesprächen zusammentreffen.
Für Xi ist es die erste USA-Reise seit 2023, als er damals zum Wirtschaftsgipfel APEC nach Kalifornien gereist war und Trumps Vorgänger Joe Biden getroffen hatte. Trump hatte Xi während seines Besuchs in Peking Mitte Mai ins Weiße Haus eingeladen.
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