Noch vor wenigen Jahren beherrschten Dunkelheit und Selbstzweifel die Tage von Max Borchardt. Aus diesem Zustand katapultierte sich der Salzburger Frontmann der Steaming Satellites auch durch seine Musik. Der „Krone“ erzählt er, warum „The Great Lime Paradigm“ sich nach früher anfühlt und trotzdem eine neue Aufbruchsstimmung vermittelt.
Als Max Borchardt mit seiner Band Steaming Satellites vor genau 20 Jahren das Debütalbum „Neurotic Handshake At The Local Clown Party“ veröffentlichte, hätte er wohl auch nicht mit der Langlebigkeit seines Jugendprojekts gerechnet. In den späten 2000er- und frühen 2010er-Jahren waren die Salzburger auch eine internationale Größe. Sie wurden von Portugal. The Man auf Tour eingeladen, waren in den USA unterwegs und teilten die Bühne mit Bands alt-J, Thin Lizzy oder den Raveonettes. Indie Rock mit Space-Rock-Elementen und einem Gefühl für poppige Melodien zeichneten die Mozartstädter aus, die aber über die letzten Jahre an sich selbst scheiterten. Die Prioritäten der einstigen Bandmitglieder verlagerten sich, Frontmann Borchardt ging durch private Krisen und der große Hype um den Sound der Steaming Satellites war irgendwann auch vorbei. „Es wurde über die Jahre zu einem Künstlerkollektiv“, erklärt Borchardt im Talk mit der „Krone“, „es hat sich dann irgendwann nicht mehr ergeben, dass wir regelmäßig unterwegs waren.“
Aus dem Hobby wurde ein Job
Zwischen den Alben „Back From Space“ (2018), „Andromeda“ (2023) und dem neuen „The Great Lime Paradigm“ liegen acht Jahre. Nicht sonderlich viel Output für relativ viel Zeit. „In einem knappen Vierteljahrhundert Bandhistorie passiert viel. Mitglieder kamen und gingen, die Interessen haben sich verlagert und die meisten haben Kinder bekommen und Familien gegründet“, analysiert der Frontmann, der als einziger kinderlos blieb und das musikalische Projekt dadurch auch in vermeintlichen Leerzeiten antrieb. Wenn auch eher aus dem Hintergrund heraus. „Früher war die Band eine große Party. Wir waren jung, viel unterwegs und hatten die beste Zeit, aber die Musik wurde mit der Zeit professioneller und dann kommt das Gefühl von Arbeit dazu. Aus dem Hobby wurde ein Job. Es war irgendwann nicht mehr so, dass man mit den Freunden auf Urlaub fährt und dort Geld verdient. Dieses Gefühl kannst du nicht ewig halten, weil du dich irgendwann zwischen Musik oder normalem Leben entscheiden musst.“
Songs wie auf den Frühwerken könnte Borchardt heute gar nicht mehr schreiben. „Wir waren Riesenfans von Bands wie At The Drive-In und The Mars Volta, genau so klingt auch unsere Debütplatte. Die Liebe zu diesem Sound ist geblieben und man hört heute noch immer Ansätze davon in den Liedern. Aber Inspirationsquellen wie die Arctic Monkeys oder die Strokes haben mit der neuen Platte gar nichts mehr zu tun.“ Dazwischen befanden sich die Steaming Satellites durchaus im Krisenmodus. Borchardt durchlebte das privat, weshalb „Andromeda“ ein ungemein schleppendes und melancholisches Album wurde, mit dem nicht alle Fans wunschlos glücklich waren. „The Great Lime Paradigm“ hat vor allem eines wieder zurückgebracht: die Leichtigkeit. „Es ist alles nicht mehr so zerdacht und zerstückelt. Vor allem die Gesangsspuren sind leichter und fröhlicher, es gibt neue und frische Muster in den Songstrukturen.“
Der Kampf gegen die Zweifel
Für Borchardt war der Turnaround nach einer kurzen Rekapitulation der eigenen musikalischen Vergangenheit schnell klar. „Ich wollte unbedingt weg von dieser Melancholie. Deshalb auch der Paradigmenwechsel und deshalb auch die Limette im Titel und auf dem Albumcover. Ich habe nach einer gescheiterten Beziehung und anderen Umbrüchen in meinem Leben lange genug gelitten und dieses Leid auch musikalisch nach außen getragen. Es ist aber zuweilen schon ein bisschen in Selbstmitleid abgedriftet und aus diesem Bereich wollte ich mich unbedingt rausziehen.“ Ein Song wie „Pictures“ klingt fast schon außergewöhnlich fröhlich und lebensbejahend. „Wenn dir das so auffällt, dann ist meine Mission gelungen“, lacht er, „mit dem ersten Song am Album, ,Any Doubt‘, begann die Reise. Dort spreche ich noch einmal meine großen Zweifel an. Warum ich immer alles zerdenke und 100.000 Mal hinterfrage. Aber jede Band kocht nur mit Wasser und jeder steckt mal fest. Wenn man sich dessen bewusst wird, dann sieht die Welt gleich wieder anders aus.“
Zum 20-jährigen Jubiläum hat man auch den Sound wieder rekalibriert. Mehr Gitarren, mehr Rock’n’Roll, ohne dabei aber in eine Nostalgieschleife zu geraten, die der Gegenwart nicht gerecht werden würde. Der vielleicht schon abgedroschene Satz von „Musik als Therapie“ kann bei Borchardt jedenfalls für bare Münze genommen werden. „Wenn sich jemand das Album anhört und dann denkt, er möchte jetzt was machen mit diesem Tag, dann habe ich schon viel erreicht. Ich bin noch immer leidenschaftlicher Skateboarder und wenn ich beim Skaten ein Album durchhören kann, dann ist es gelungen. Früher war das immer so beim ersten Album der Arctic Monkeys, jetzt hatte ich dieses Gefühl bei meinem eigenen Werk.“ Auf „The Great Lime Paradigm“ kontert Borchardt internen und externen Dämonen mit der Formel „kill them with kindness“ und zeigt, dass eine Band auch als Quasi-Einzelprojekt nach zwei Dekaden noch genug Saft im Tank haben kann.
Live in ganz Österreich
Zu diesem Anlass gibt es natürlich auch einige Live-Termine in Österreich. Steaming Satellites spielen am 21. Oktober im Wiener WUK, am 22. Oktober im ppc in Graz, am 23. Oktober im Posthof Linz, am 11. November im Spielboden in Dornbirn, am 12. November im Treibhaus Innsbruck und am 13. November im Salzburger Rockhouse. Unter www.oeticket.com gibt es alle Termine, Informationen und die Karten für die jeweiligen Konzerte.
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