Am 22. Oktober starten die Verhandlungen um einen neuen Kollektivvertrag für die rund 420.000 Angestellten im Handel. Angesichts der aktuell hohen Teuerung sowie der wirtschaftlichen sehr durchwachsenen Situation der Branche dürfte es heuer besonders schwierig werden, einen Abschluss zu finden.
Der Handel ist heuer der einzige große Kollektivvertrag, der im Herbst verhandelt wird. Die mächtige Metaller-Branche hat im Vorjahr einen Zwei-Jahres-Abschluss ausverhandelt und ist heuer somit außen vor. Doch die Vorzeichen für die am 22. Oktober startenden Gespräche für die rund 420.000 Handelsbeschäftigten stehen nicht besonders gut.
Der Grund: Die Ausgangslage ist für die Arbeitgeber und für die Gewerkschaft eine gänzlich andere. „Die Erwartungen beider Seiten sind extrem weiter auseinander“, so Rainer Trefelik, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer, im Vorfeld.
Beschäftigte leiden unter hoher Inflation, Firmen unter hohen Kosten
Für die Tausenden Mitarbeiter steht weiterhin die hohe Teuerung im Mittelpunkt. So wird die für die Verhandlungen maßgebliche rollierende Inflation heuer bei rund 3,2 Prozent liegen, rechnet Trefelik. Dazu kommt noch, dass die Gehälter in den letzten drei Jahren immer unter der Inflation angehoben wurden und somit Kaufkraft für die Beschäftigten verloren ging.
Die Erwartungen beider Seiten sind extrem weiter auseinander.

WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik
Bild: Eva Manhart
Der Handel kämpft hingegen weiterhin mit drei zentralen Problemen, die zugenommen haben, nämlich hohen Kosten bei Mieten, Energie und Personal. Gleichzeitig sorgen ein Bündel an weltweiten geopolitischen Unsicherheiten nicht gerade für eine euphorische Konsumstimmung. Ganz zu schweigen vom weiter boomenden Online-Handel, der Europa und daher Österreich teilweise mit Billigwaren aus China überschwemmt und dem stationären Einzelhandel kräftig zusetzt.
So haben sich seit 2015 die Einzelhandelsflächen in Österreich um 3,5 Prozent reduziert. In den Citys betrug der Rückgang sogar 13 Prozent, so eine Analyse von Standort + Markt.
Beide Seiten haben somit gute Argumente. „Wenn man da einen Kompromiss finden soll, der für beide tragbar ist und den jeder in seiner Gruppe auch entsprechend verkaufen und durchbringen kann, wird das eine schwere Partie“, bringt es Trefelik auf den Punkt. Er warnt vor dem klassischen Spiel, bei dem beide Seiten mit weit auseinanderliegenden Forderungen starten und man sich dann in der Mitte trifft. „Da fehlt mir echt die Fantasie, wie sich das ausgehen soll“, so der Handelssprecher.
„Wird mehr als nur eine Prozentzahl brauchen“
Trefelik geht auch davon aus, dass heuer mehr als nur ein Prozentsatz notwendig sein werde. Auch das Rahmenrecht (Arbeitszeiten, Zuschläge, Teilzeit, Urlaub usw.) dürfte daher im Herbst stärker im Fokus stehen. Konkret wollte der Handelsvertreter noch nichts sagen, außer dass „Vernunft und offene Gespräche“ notwendig seien. Die Gesprächsbasis mit der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) sei jedenfalls eine gute, heißt es.
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