Da jubiliert nicht nur der Kaiser! Die wohl süßeste Versuchung am ganzen Münchner Oktoberfest kommt aus dem beschaulichen Lungau – und das seit vielen Jahrzehnten. Ein Gastro-Urgestein ist sich sogar sicher: „Ohne uns gäbe es auf der Wiesn keinen Kaiserschmarrn!“
Alfred Gruber lächelt verschmitzt. Er ist sich sicher: „Ich habe den Kaiserschmarrn beim Oktoberfest eingeführt, den gab es vorher nicht.“ Das Urgestein aus Zederhaus war 28 Jahre lang Küchenchef im Löwenbräuzelt auf der Münchner Wiesn – eine harte, aber wunderschöne Zeit. „Der damalige Zeltchef hat für 15.000 Mark eine große Pfanne anfertigen lassen. Da haben wir den Schmarrn gemacht“ erinnert er sich. Offenbar gut angelegtes Geld. Denn: „Er hat sich von Anfang an wie Hölle verkauft.“
Wiesn-Gäste liebten den Schmarrn von Beginn an
Der rot-weiß-rote Mehlspeistraum war bei den Wiesn-Besuchern so gefragt, dass sich Gruber bald Unterstützung aus der Heimat holte. Hannes Mayr vom Blasiwirt in St. Michael musste nicht lange überlegen und gab gleich zwölf Jahre hintereinander den Kaiserschmarrn-Koch. „Eine tolle Erfahrung. Uns haben auch immer wieder viele Lungauer besucht. Einmal hatte ich sogar die Trachtenmusikkappelle aus Mariapfarr bei mir im Zelt“, blickt Mayr mit einem breiten Grinser zurück.
2004 gab er das Zepter weiter, selbstredend wieder an einen Gastrofuchs aus dem Lungau. Michael Gruber vom Staigerwirt schwang danach stolze elf Jahre lang die Kochlöffel im Löwenbräuzelt.
Jetzt ist bereits der vierte Lungauer am Werk
Und wer übernahm im Jahr 2015 wohl das Kaiserschmarrn-Kommando? Wieder ein Mann aus Salzburgs Bezirk mit den wenigsten Einwohnern! Sepp Sampl von der Metzgerstubn in St. Michael ist auch heuer wieder im Wiesn-Einsatz. „2015 bin ich eigentlich nur dorthin, weil ich mir unbedingt ein neues Auto kaufen wollte und das Geld gut gebrauchen konnte“, sagt der Gastronom. Mittlerweile ist der jährliche Abstecher zum Münchener Oktoberfest aber längst lieb gewonnene Tradition. „Es sind dort immer die gleichen Leute im Einsatz, sie sind schon fast wie eine Familie für mich. Trotz der vielen Arbeit haben wir viel Spaß“, betont Sampl.
Der Lungauer ist täglich bis zum Finaltag am 4. Oktober auf der Wiesn im Einsatz. Wie sich das mit der Arbeit im heimischen Gasthof vereinbaren lässt? „Ich habe Gott sei Dank jung gebliebene Eltern und super Mitarbeiter, die mich würdig vertreten“, lacht er. Heimweh wird Sampl sicher nicht bekommen. Auch in diesem Jahr dürften wieder etliche Bekannte aus dem Lungau auf einen Kaiserschmarrn vorbeischauen. Kostenpunkt: 19,80 Euro. Prost, Mahlzeit!
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