„Reh umgefahren – halb so wild“: Mit diesem Slogan wirbt die Marke Smile im Internet für ihre KfZ-Versicherung. Die österreichische Jägerschaft sieht im Spruch eine Verharmlosung von Wildunfällen und macht in den sozialen Netzwerken dagegen Stimmung.
„Halb so wild? Finden wir nicht. Werbung auf Kosten von Tieren ist für uns nicht in Ordnung“, kritisiert Jörg C. Binder, Generalsekretär von Jagd Österreich in einem Facebookvideo (siehe unten).
Bei Jagd Österreich handelt es sich um den offiziellen Dachverband der Jägerschaft in Österreich, der die Interessen von rund 135.000 Jägern vertritt.
Salzburger starb nach Killision mit Hirsch
Zur Erinnerung: Erst in dieser Woche ist ein 36-jähriger Radfahrer aus dem Salzburger Flachgau nach einer Kollision mit einem Rothirsch in Bayern gestorben. Umso kritischer sieht Jagd Österreich daher die großflächig verbreitete Werbekampagne der Versicherung Smile. Binder mahnt: „Wildunfälle können für Tiere und Menschen erhebliche Auswirkungen haben. Zumeist verenden die Tiere qualvoll irgendwo neben der Straße. Und das ist der Moment, wo der Jäger gerufen werden muss, um Tiere nachzusuchen und Tierleid zu verhindern.“
75.000 Wildunfälle pro Jahr
Nach Angaben des Verbandes ereignen sich rund 75.000 Wildunfälle pro Jahr in Österreich, 65.000 Wildtiere werden dabei getötet. Allein 2025 wurden zudem 374 Wildunfälle mit Personenschaden registriert. Hinter diesen Zahlen stehen verletzte Menschen, erhebliche Sachschäden und zehntausende getötete oder verletzte Wildtiere.
In dieselbe Kerbe schlägt Anton Larcher, Präsident von Jagd Österreich: „Zehntausende Wildtiere sterben jedes Jahr auf Österreichs Straßen. Dieses Geschehen mit einem flotten Werbespruch zu verharmlosen, halten wir für unangebracht.“
„Herbst erhöht das Risiko“
Gerade im Herbst sei besondere Aufmerksamkeit geboten. Viele Wildtiere seien vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv und würden zwischen ihren Ruhe-, Äsungs- und Einstandsgebieten wechseln und müssten dabei immer wieder Straßen queren. Jagd Österreich und die Landesjagdverbände appellieren daher an Autofahrer, insbesondere in bekannten Wildwechselbereichen die Geschwindigkeit anzupassen und bremsbereit zu fahren.
Zehntausende Wildtiere sterben jedes Jahr auf Österreichs Straßen. Dieses Geschehen mit einem flotten Werbespruch zu verharmlosen, halten wir für unangebracht.
Anton Larcher, Präsident von Jagd Österreich
„Bei einem Wildunfall wirken enorme Kräfte. Deshalb geht es nicht nur um den Schutz unserer Wildtiere, sondern ganz wesentlich auch um die Sicherheit der Menschen. Weniger Geschwindigkeit und erhöhte Aufmerksamkeit können im entscheidenden Moment Leben retten“, betont Binder.
Die österreichischen Landesjagdverbände würden sich seit Jahren gemeinsam mit Landwirtschaft, Behörden, Polizei und Straßendiensten für die Verringerung von Wildunfällen einsetzen. Dazu gehören unter anderem Wildwarnreflektoren und akustische Wildwarngeräte sowie weitere Präventionsmaßnahmen an besonders gefährdeten Straßenabschnitten.
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