Ella Niederl ist Oberärztin an der Uni-Klinik Graz und erklärt alles Wissenswerte zum Thema Bluthochdruck – ein Problem, das jeden einmal treffen kann.
Bluthochdruck gehört zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Das Tückische daran: Viele Menschen fühlen sich völlig gesund und merken über Jahre nichts davon. Wir wissen oft ganz genau, wie viel Akku unser Handy noch hat oder wie viele Schritte wir heute gemacht haben. Aber viele Menschen wissen nicht, wie hoch ihr Blutdruck ist. Dabei wäre es wichtig, genau diese Zahl zu kennen.
Warum sollte man Bluthochdruck ernst nehmen, auch wenn man nichts spürt?
Hoher Blutdruck kann über Jahre Herz, Gehirn, Nieren und Gefäße schädigen. Er erhöht unter anderem das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Nierenerkrankungen.
Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern?
Bei Männern tritt Bluthochdruck häufig schon in früherem Alter auf. Frauen sind in jüngeren Jahren durch hormonelle Faktoren besser geschützt. Mit den Wechseljahren verändert sich auch der Blutdruck, und damit nimmt auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Wer in einer Schwangerschaft Bluthochdruck oder eine Präeklampsie hatte, sollte später besonders auf Herz-Kreislauf-Risikofaktoren achten.
Ab wann ist der Blutdruck zu hoch?
Hier muss man unterscheiden, wo gemessen wird. In der Arztpraxis sprechen wir bei wiederholt gemessenen Werten ab 140/90 mmHg von Bluthochdruck. Bei der Selbstmessung zu Hause liegt die Grenze etwas niedriger: Ein durchschnittlicher Blutdruck ab 135/85 mmHg gilt als erhöht. Wichtig ist: Ein einzelner hoher Wert macht noch keine Diagnose. Entscheidend sind wiederholte beziehungsweise durchschnittliche Werte.
Viele Menschen messen ihren Blutdruck zu Hause. Was machen sie dabei falsch?
Vor der Messung sollte man einige Minuten entspannt sitzen. Der Rücken ist angelehnt, die Füße stehen auf dem Boden, der Arm liegt ausgestreckt ungefähr auf Herzhöhe. Entscheidend ist der Verlauf über mehrere Messungen. Für die Messung zu Hause empfehle ich, morgens und abends nach einigen Minuten Ruhe jeweils zweimal zu messen und die Werte zu dokumentieren.
Warum entsteht Bluthochdruck?
Meist gibt es nicht den einen Schuldigen. Es ist eher eine Mischung aus Veranlagung und Lebensstil. Alter, familiäre Belastung, Übergewicht, zu wenig Bewegung, zu viel Salz, Alkohol, Rauchen, Stress und schlechter Schlaf können eine Rolle spielen. Manchmal können auch Nierenerkrankungen, hormonelle Ursachen oder eine Schlafapnoe dahinterstecken. Nicht alles davon können wir beeinflussen – aber einiges schon. Bewegung, Ernährung und Rauchverhalten liegen zumindest teilweise in unserer Hand.
Was kann jeder selbst tun?
Regelmäßige Bewegung ist sehr wichtig. Auch Gewichtsreduktion bei Übergewicht, weniger Salz, eine ausgewogene Ernährung, Rauchstopp, weniger Alkohol und guter Schlaf haben eine wichtige Rolle. Man muss nicht gleich zum Marathonläufer werden. Schon regelmäßiges Gehen, Radfahren oder eine andere Form von Bewegung, die man dauerhaft in seinen Alltag integriert, ist wertvoll. Statt Lift die Treppe benutzen oder mit dem Hund spazieren zu gehen reichen schon aus. Reicht das nicht, kommen Medikamente dazu.