Literatur

„Ich habe der Totenfrau alles zu verdanken“

Literatur
18.09.2026 10:45
kmm

Eigentlich war Henriette Blum ein Happy End vergönnt. Und man freute sich für sie – obwohl die ungewöhnliche Bestatterin als Racheengel vor keinem Mord zurückschreckte, um ihre Kinder zu schützen. Genau zehn Jahre ist es her, da durfte sie nach ihrer schmerzerfüllten Flucht in beschauliche Gewässer segeln. „Nach all dem, was ich dieser Frau angetan habe, wollte ich ihr einen Sack voll Geld, die Freiheit und die Möglichkeit für ein glückliches Leben geben – sofern das überhaupt möglich ist, wenn man so viel Schuld auf sich geladen hat“, erzählt Bestseller-Autor Bernhard Aichner im „Krone“-Interview.

Aufgrund des Erfolgs der „Totenfrau“-Trilogie wurde sie als Serie auf Netflix verfilmt – und nicht nur die Fans, sondern auch Aichner selbst bekam Lust auf eine Fortsetzung. „Ich mag diese Figur einfach sehr. Eigentlich habe ich ihr alles zu verdanken, auch dass ich heute vom Schreiben leben kann.“

„Das Dunkle steckt in uns allen“
Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwammen bei der „Totenfrau“ von Anfang an. „Ich war davon fasziniert, eine Figur zu schaffen, der man beim Töten zusieht – und ihr dennoch die Daumen drückt, weil man emotional mit ihr verstrickt ist, sie vielleicht mag. Mein Wunsch war, die Leser und Leserinnen so weit zu verführen, dass sie ihre eigenen moralischen Grenzen überschreiten und irgendwann sagen: Ich drücke einer Mörderin die Daumen“, so Aichner. „Und dann natürlich die Frage an mich selbst: Was müsste in meinem Leben passieren, damit ich vielleicht in der Lage wäre, solche Dinge zu tun? Ich habe mir überlegt: Was wäre, wenn man mir von heute auf morgen meine Liebe nehmen würde?“

Grundsätzlich begleitet ihn in seiner Thriller-Karriere der Gedanke, dass jeder Mensch unter Gewissen Umständen zum Mörder werden könnte. „Ich glaube schon, dass das Dunkle in uns allen steckt. Gott sei Dank bricht das Böse bei den meisten Menschen aus.“

Lust auf eine Fortsetzung
Aufgrund des Erfolgs der „Totenfrau“-Trilogie wurde sie als Serie auf Netflix verfilmt – und nicht nur die Fans, sondern auch der Autor selbst bekam Lust auf eine Fortsetzung. „Ich mag diese Figur einfach sehr. Eigentlich habe ich ihr alles zu verdanken, auch dass ich heute vom Schreiben leben kann.“

Brandneu im Handel: „Totenfrau _ Die Rückkehr“ von Bernhard Aichner ist im Rowohlt Wunderlich ...
Brandneu im Handel: „Totenfrau _ Die Rückkehr“ von Bernhard Aichner ist im Rowohlt Wunderlich Verlag erschienen, 352 Seiten)(Bild: ww.fotowerk.at)

„Ich bin ein Angsthase“
Nun also das Comeback – und der Titel „Totenfrau – Die Rache“ verrät bereits, dass Blum wieder unaufhaltsam in einen Strudel der Gewalt gerät. Nachdem sie zehn Jahre lang ein beschauliches Leben an der Küste Kroatiens verbracht hat, holt sie ihre dunkle Vergangenheit ein. Am Meer, genau dort, „wo alles vor 33 Jahren mit dem Mord an ihren Eltern begonnen hat. Das Meer wurde für sie ein Ort, an dem sie sich wohl und sicher fühlte. Im vierten Teil ist es aber rauschender und stürmischer“, verrät der 54-jährige Tiroler. Und fügt lachend hinzu: „Ich selbst liebe ja auch das Meer. Allerdings hasse ich Segeln, weil mir dabei ohne Ende schlecht wird. Ich kann nur mit Tabletten segeln. Deshalb lasse ich meine Heldinnen immer die Dinge tun, die ich selbst nicht kann – segeln oder Motorrad fahren zum Beispiel. Ich bin da eher ein Angsthase.“

Diesmal lässt er Blums Zukunft bewusst in der Schwebe. „Jetzt schreibe ich noch an einem anderen Roman – ein stilles, sehr unblutiges, aber trotzdem spannendes Buch. Aber für Blum stehen alle Türen offen.“

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