Amazon, Temu und Co.

Wie Internet-Riesen kleinen Händlern Druck machen

Wirtschaft
09.09.2026 07:00

Der österreichische Handel kämpft sich langsam aus den Krisenjahren. Doch der Aufschwung bleibt fragil: Verändertes Einkaufsverhalten, gefragte Onlineplattformen, hohe Kosten und geringe Margen bringen vor allem kleinere Händler zunehmend in Bedrängnis.

Der Handel in der Alpenrepublik ist im Vorjahr wieder leicht gewachsen, bleibt aber unter Druck. Laut dem Jahrbuch Handel 2026 erwirtschaftete die Branche aus Einzel-, Groß- und Kfz-Handel im Jahr 2025 einen Umsatz von fast 300 Milliarden Euro. Inflationsbereinigt entspricht das einem Plus von 0,6 Prozent. Die Trendwende nach den Krisenjahren 2023 und 2024 ist zwar geschafft, das Umsatzniveau von 2019 jedoch noch nicht erreicht.

Online punkten vor allem große Plattformen
Denn das Einkaufsverhalten der Österreicher hat sich stark verändert. Bereits knapp 15 Prozent der Ausgaben für Konsum (wie Lebensmittel, Bekleidung und Schuhe, oder Mobilität) werden online getätigt. Dabei kaufen die Landsleute zunehmend über große Plattformen statt bei einzelnen Onlineshops. Amazon kommt auf einen Anteil von mehr als einem Drittel am österreichischen Onlinehandel, eBay auf 4,1 Prozent und Zalando auf 3,7 Prozent. Chinesische Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress erreichen zusammen bereits fast acht Prozent. Pro Kopf geben die Österreicher laut Handelsverband im Schnitt rund 1400 Euro pro Jahr online aus.

Kleine, nicht spezialisierte Onlinehändler leiden
Für heimische Händler verschärft das den Wettbewerb. Während spezialisierte Onlineshops etwa aus den Bereichen Sport, Technik oder Gesundheit wachsen, geraten kleinere, wenig differenzierte Anbieter zunehmend in Bedrängnis. Hinzu kommen hohe Kosten und geringe Margen. Die Gewinnmarge des Handels liegt laut Jahrbuch bei lediglich 4,4 Prozent; im Lebensmittelhandel beträgt sie nur zwischen 0,5 und 2,5 Prozent.

Auch 2026 bleibt die Erholung daher verhalten. Im ersten Halbjahr stiegen die Umsätze im Einzelhandel nominell um 2,1 Prozent, preisbereinigt jedoch nur um 0,1 Prozent. Gleichzeitig lag die Schließungsquote im Handel zuletzt mit 6,5 Prozent über der Neugründungsquote von sechs Prozent.

Die Branche bleibt zugleich ein zentraler Arbeitgeber. Rund 711.000 Menschen arbeiten selbstständig oder unselbstständig im Handel. Der Frauenanteil beträgt mehr als die Hälfte, im Einzelhandel sind sogar 70 Prozent der Mitarbeitenden weiblich. Zudem werden etwa 12.800 Lehrlinge ausgebildet. Gleichzeitig steigt die Teilzeitquote: Im gesamten Handel liegt sie bei 36,7, im Einzelhandel sogar bei fast 50 Prozent.

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