Wenn Paare professionelle Hilfe suchen, ist der Konflikt oft schon weit fortgeschritten. Streit, Distanz oder sogar Trennung stehen dann längst im Raum. „Nach meiner Erfahrung kommen rund 95 Prozent der Paare erst dann, wenn die Beziehung bereits in einer akuten Krise steckt“, sagt der Wiener Paar- und Sexualberater Christian Killinger. Dabei könnte vieles früher abgefangen werden.
Man redet nur noch über Termine und Verpflichtungen. Derselbe Streit beginnt immer wieder. Nähe und Sexualität verschwinden aus dem Alltag. Trotzdem vergeht oft viel Zeit, bis sich ein Paar Unterstützung holt. Christian Killinger kennt solche Situationen aus seiner Arbeit als Paarberater in Wien. Seit mehr als 15 Jahren beschäftigt er sich mit Beziehungsfragen und hat bereits weit über 1.000 Gespräche mit Paaren geführt. Viele melden sich erst dann, wenn einer von beiden bereits an Trennung denkt. „Ich spiele oft Feuerwehr“, beschreibt Killinger seine Rolle. Auch in einer akuten Krise könne Beratung helfen. Einfacher sei es jedoch, Probleme früher anzusprechen.
Beziehungskrise: Warum Hilfe oft als Scheitern gilt
Ein Grund für das lange Warten ist aus Sicht des Beraters die Scham. Eine Beziehungsberatung in Anspruch zu nehmen, empfinden manche noch immer als Eingeständnis, es als Paar nicht alleine geschafft zu haben. Für Christian Killinger ist das ein falsches Bild. Beziehungen seien keine Frage von Glück allein. Vielmehr gehe es um Fähigkeiten, die man lernen könne: zuhören, Bedürfnisse ausdrücken, Konflikte austragen und verstehen, warum bestimmte Situationen immer wieder eskalieren. Vieles davon übernehmen Menschen aus dem eigenen Elternhaus. Wer dort erlebt hat, dass Konflikte mit Schweigen, Rückzug oder Lautstärke gelöst wurden, greift später womöglich selbst auf dieselben Muster zurück. Killinger geht es dabei jedoch nicht darum, lange bei den Ursachen stehen zu bleiben. „Mich interessiert nicht nur, warum ein Paar an diesem Punkt gelandet ist. Entscheidend ist für mich vor allem: Was können die beiden ab heute anders machen?“
Beziehungsberatung in Wien: Wenn derselbe Streit immer wiederkommt
Oft ist der Anlass für einen Streit gar nicht das eigentliche Problem. Es geht um den Haushalt, Geld, Schwiegereltern oder darum, wer die Kinder abholt. Dahinter können jedoch andere Fragen stehen: Fühle ich mich gesehen? Bin ich meinem Partner noch wichtig? Kann ich mich auf ihn verlassen? Christian Killinger versteht seine Arbeit deshalb auch als Übersetzung zwischen zwei Menschen, die einander zwar gut kennen, in Konflikten aber zunehmend aneinander vorbeireden. Typisch sind festgefahrene Muster: Einer greift an, der andere zieht sich zurück. Je öfter sich solche Abläufe wiederholen, desto schwieriger wird es, noch sachlich miteinander zu sprechen.
Paarberatung statt jahrelanger Therapie
Viele Paare fürchten, dass professionelle Hilfe automatisch jahrelange wöchentliche Termine bedeutet. Das müsse nicht so sein. Christian Killinger arbeitet möglichst praxisnah. Gespräche sollen nicht beim Analysieren stehen bleiben. Paare bekommen deshalb auch konkrete Impulse und Übungen, die sie im Alltag ausprobieren können. Der Einstieg erfolgt über ein kostenloses Online-Erstgespräch. Danach kann die Beratung persönlich in Wien oder online stattfinden. Entscheidend sei weniger die Zahl der Sitzungen als die Frage, ob sich im Alltag tatsächlich etwas verändert.
Eheberatung und Vorsorge: Muss es erst zur Krise kommen?
Genau hier wünscht sich Christian Killinger ein Umdenken. Warum wartet man bei einer Beziehung oft so lange, bis kaum noch etwas funktioniert? Bei Gesundheit oder Auto ist Vorsorge selbstverständlich. In Partnerschaften wird hingegen häufig erst reagiert, wenn die Warnzeichen nicht mehr zu übersehen sind. Solche Warnzeichen können sein: Gespräche drehen sich nur noch um Pflichten, gemeinsame Zeit wird selten, Berührungen verschwinden oder Konflikte enden regelmäßig mit Schweigen. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Beziehung kurz vor dem Aus steht. Es kann aber ein Signal sein, genauer hinzusehen. Dabei geht es Killinger nicht nur darum, Konflikte zu reduzieren. Sein Anspruch an eine Partnerschaft geht weiter. „Für mich sollte eine Beziehung mehr sein als ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben“, sagt Killinger. „Meine Grundidee ist: 1+1 sollte mehr als 2 ergeben. Eine gute Beziehung sollte beide Menschen wachsen lassen und ihr Leben bereichern.“
Beziehung retten? Nicht um jeden Preis
Eine Paarberatung ist keine Garantie dafür, dass zwei Menschen zusammenbleiben. Auch das gehört für Christian Killinger zu einer seriösen Beratung. Nicht jede Beziehung müsse um jeden Preis gerettet werden. Manchmal sei der wichtigste Schritt, wieder miteinander sprechen zu können. Manchmal gehe es darum, Grenzen zu setzen. Und manchmal könne auch eine respektvolle Trennung das Ergebnis sein. Sein zentraler Rat ist einfach: Probleme nicht jahrelang sammeln. Wer früh über Enttäuschungen, Wünsche und Nähe spricht, muss später oft weniger reparieren. Neben seiner Arbeit als Paar- und Sexualberater beschäftigt sich Christian Killinger auch als Autor mit dem Thema Beziehung. In seinem Buch „Liebe ist planbar – Die agile Beziehung“ überträgt er unter anderem Methoden aus der agilen Arbeitswelt auf Partnerschaften.
Wer sich über Ablauf, Formate und Termine informieren möchte, findet die Details unter www.christiankillinger.at.