Enthüllung vor Wahl

Netanyahu: Warnung vor Hamas-Massaker ignoriert?

Außenpolitik
08.09.2026 16:21
Porträt von krone.at
Von krone.at

Israels Premier Benjamin Netanyahu kämpft bei den Wahlen im Oktober um sein politisches Überleben. Stark unter Druck bringt ihn jetzt ein brisanter Medienbericht. Demnach erging Tage vor dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 eine Warnung an ihn. Netanyahu spricht von einer „Lüge“.

Im September 2023, eineinhalb Wochen vor dem beispiellosen Terrorangriff der Hamas, habe es ein Telefonat zwischen dem Staatschef der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohamed bin Zayed Al-Nahyan und Netanyahu gegeben, berichtet die linksgerichtete israelische Zeitung „Haaretz“.

Nicht ernst genommen
In dem Gespräch habe Nahyan den israelischen Regierungschef gewarnt, dass die radikalislamische Palästinenserorganisation einen größeren Einsatz plane und Israel sich wappnen müsse. Netanyahu habe die Warnung aber nicht ernst genommen und sei daher tatenlos geblieben.

Der Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate soll Netanyahu gewarnt haben, nachdem er aus ...
Der Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate soll Netanyahu gewarnt haben, nachdem er aus der Hamas Informationen zu dem Angriff bekommen hatte.(Bild: AFP/Mandel NGAN)

Netanyahus Büro bezeichnete den Bericht, der auf Auszügen aus einem noch nicht veröffentlichten Buch von „Haaretz“-Reportern beruht, als „absolute Lüge“. In der Stellungnahme wurde dementiert, dass Netanyahu in dem genannten Zeitraum überhaupt mit Nahyan gesprochen habe. Den Reportern wurde das Gespräch aber aus dem Umfeld des Premiers bestätigt.

„Alle Warnungen ignoriert“
Die israelische Opposition übte scharfe Kritik an dem langjährigen Regierungschef, der sich bei der Parlamentswahl am 27. Oktober eine weitere Amtszeit sichern will. „Netanyahu hat Dutzende Warnungen vor dem 7. Oktober erhalten und hat sie alle ignoriert“, erklärte der israelische Ex-Generalstabschef und Netanyahus schärfster Rivale im Kampf um das Ministerpräsidentenamt, Gadi Eisenkot, am Dienstag.

Der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett warf Netanyahu vor, er trage „persönliche und direkte Verantwortung“ für die vielen Todesopfer des 7. Oktober 2023. Der Regierungschef könne daher „nicht einmal eine Minute länger in seinem Amt bleiben“.

Hamas-Chef: „Erdbeben“
Die „Haaretz“ berichtete, der mittlerweile von Israel getötete Hamas-Chef Yahya Sinwar habe einen früheren palästinensischen Regierungsvertreter gewarnt, dass seine Organisation eine „schreckenerregende Operation“ vorbereite. Er beschrieb den bevorstehenden Angriff demnach als „Erdbeben“. Im Gegenzug für die Warnung erhoffte er sich offenbar die Freilassung palästinensischer Gefangene. Der frühere palästinensische Offizielle habe die Informationen dann an den Staatschef der Emirate weitergegeben, schrieb „Haaretz“. Dieser habe daraufhin Netanyahu angerufen und ihn informiert.

Die Emirate hatten ihre Beziehungen zu Israel 2020 im Rahmen der von den USA vermittelten Abraham-Abkommen normalisiert. Netanyahu sieht dies als eine wichtige Errungenschaft seiner Regierungszeit an. „Haaretz“ berichtete unter Berufung auf mehrere, zumeist anonyme Quellen, Netanyahu habe ruhig auf die Warnung der Emirate reagiert.

Folgenreiches Massaker
Am 7. Oktober 2023 hatten die Hamas und ihre Verbündeten aus dem Gazastreifen heraus Israel angegriffen. Sie töteten mehr als 1200 Menschen und verschleppten 251 Menschen als Geiseln, von denen 44 bereits tot waren. Israel reagierte mit massiven Angriffen auf den Gazastreifen, bei denen nach nicht überprüfbaren Hamas-Angaben seither mehr als 73.000 Menschen getötet wurden.

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