Rund 300 Millionen Nutztiere können sich nicht frei bewegen, keine wichtigen natürlichen Verhaltensweisen ausleben – und sie warten seit Jahren auf das Versprechen der EU, dass damit Schluss sein soll. Jetzt erhöht ein breites Bündnis den Druck auf die Europäische Kommission: Noch heuer sollen endlich konkrete Gesetze für ein Ende der Käfighaltung vorgelegt werden.
Ein Leben auf engstem Raum, hinter Gittern, ohne die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, ein Nest zu bauen, zu scharren oder einfach ein paar Meter zu laufen: Für Millionen Nutztiere in Europa ist genau das noch immer traurige Realität. Sie können ihr gesamtes Leben nicht ausweichen, nicht davonlaufen, nicht selbst entscheiden, wohin sie gehen. Und während wir über Tierwohl diskutieren, warten sie weiter hinter engen Gittern.
Klare Worte an die Politik
Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ und weitere Initiatoren der Kampagne „End the Cage Age“ („Beendet das Käfigzeitalter“) versammelten sich nun am Dienstag in Brüssel, um einen offenen Brief an die Europäische Kommission zu überbringen.
„Krone“ unterstützt die Forderung
Unterzeichnet wurde er von mehr als 280 Organisationen und Experten – darunter Tierschutzombudspersonen, Konsumentenschützer, Umweltverbände, Wissenschafter, Juristen, Vertreter der Industrie und Landwirte. Auch „Tierecke“-Ressortleiterin Maggie Entenfellner hat im Namen der Kronen Zeitung den Brief unterzeichnet. Ebenso stehen 1,4 Millionen EU-Bürger hinter der Forderung nach einem Ende der Käfighaltung.
Kein Tier sollte sein ganzes Leben hinter Gittern oder in einem engen Käfig verbringen müssen.

Maggie Entenfellner, „Krone“-Tierecke
Bild: Reinhard Holl
Eigentlich hätte Europa längst handeln sollen: Bereits vor über fünf Jahren versprach die Kommission, die Käfighaltung schrittweise abzuschaffen. Gesetzesvorschläge, die für 2023 angekündigt waren, fehlen jedoch bis heute. Für die Tierschützer ist das angesichts von rund 300 Millionen betroffenen Tieren nicht länger hinnehmbar.
Betroffen sind unter anderem Legehennen, Kaninchen, Wachteln, Enten und Gänse sowie Zucht- und Elterntiere. Auch Kastenstände und Abferkelbuchten für Schweine und Einzelboxen für Kälber sollen der Vergangenheit angehören.
Wettbewerbsnachteil oder Tierwohl
Unterstützung kommt längst nicht nur aus dem Tierschutz. Auch zahlreiche Landwirte haben bereits in käfigfreie Haltung investiert und fordern klare, europaweit einheitliche Regeln. Mehr als 30 führende europäische Lebensmittelunternehmen haben sich direkt an die Kommission gewandt. Sie warnen auch vor Wettbewerbsnachteilen, solange für importierte Produkte nicht dieselben Standards gelten.
Der Druck auf die Politik in Brüssel wurde heute mit einem riesigen Schlüssel dargestellt: Ein als EU-Kommissar Olivér Várhelyi verkleideter Aktivist hielt ihn in der Hand, umgeben von Figuren, die Käfigtiere wie Schweine, Kälber, Hühner und Kaninchen darstellten.
Öffnet die Käfige!
Die Botschaft: „Olivér Várhelyi, Sie halten den Schlüssel zu einem käfigfreien Europa in der Hand!“ Nun müsse die Kommission ihn auch umdrehen. Gefordert werden ein klarer EU-weiter Ausstiegsplan, Unterstützung für die Umstellung der Betriebe und gleiche Tierschutzstandards auch für importierte Produkte. Spätestens im Dezember sollen die ersten Gesetzesvorschläge vorliegen. Denn für die Tiere zählt nicht, wie lange Europa noch diskutiert. Für sie zählt jeder einzelne Tag hinter Gittern.
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