Was vor zehn Jahren als eine Vision begonnen hat, ist heute ein besonderer Rückzugsort mit viel Herz: In einem ehemaligen Hotel in Tirol bietet ein Verein für Familien mit schwer kranken Kindern ein Stück Normalität. Davon profitieren vor allem auch die Geschwisterkinder und die Eltern.
Eine Woche lang einmal nicht nur funktionieren müssen: Genau das schenkt die „Arche Herzensbrücken“ Familien mit schwer kranken Kindern. Seit zehn Jahren bietet der Verein einen geschützten Ort, an dem Eltern durchatmen, Geschwister unbeschwert sein und die Kinder einfach Kind sein dürfen.
Die Idee dazu entstand aus einer bitteren Erfahrung: Nach einem schrecklichen Unfall war das Kind eines Freundes von Gründer Horst Szeli schwer behindert. Eine Woche Auszeit sollte der Familie Erholung bringen. Nach drei Tagen war Schluss – die notwendige Infrastruktur fehlte. Für Szeli war das der Anstoß, etwas zu verändern: „Es ist traurig, dass es in einem Tourismusland wie Österreich Wellnesshotels für Hunde gibt, für Familien mit schwer kranken Kindern allerdings kaum Angebote.“
Dem Projekt einen wichtigen Schub brachte vor einigen Jahren dann eine außergewöhnliche Unterstützung: Der Gute Rat für Rückverteilung, initiiert von Pharma-Erbin Marlene Engelhorn, stellte dem Tiroler Verein 522.800 Euro zur Verfügung. Mit dem Geld wurde das ehemalige Hotel Solstein in Seefeld Schritt für Schritt adaptiert. „Zwei Familienpflegezimmer, ein Pflegestützpunkt und ein Besprechungsraum wurden geschaffen“, ist Szeli stolz auf sein Lebenswerk. Inzwischen hat die Arche das ganze Haus übernommen. Ein wichtiger Schritt, denn die immer schwerer und komplexer werdenden Krankheitsbilder der Kinder lassen ein Nebeneinander mit anderen Gästen nicht mehr zu.
Es ist traurig, dass es in einem Tourismusland wie Österreich Wellnesshotels für Hunde gibt, für Familien mit schwer kranken Kindern allerdings kaum Angebote.
Vereinsgründer Horst Szeli
Heute bietet die Arche 13 Ferienwochen pro Jahr an. Bis zu vier betroffene Familien können gleichzeitig aufgenommen werden. Knapp 350 Familien wurden in den zehn Jahren mittlerweile begleitet. Sie zahlen je nach Einkommen nur einen kleinen Selbstbehalt, der Großteil der tatsächlichen Kosten für die pflegerischen und therapeutischen Angebote wird vom Verein übernommen und rein über Spenden finanziert. „Mit keinem Geld der Welt kann man die Atmosphäre kaufen, die hier geschaffen wird“, lautet etwa die Rückmeldung einer Familie. Ein Satz, der das Besondere der „Arche Herzensbrücken“ wohl perfekt beschreibt.
Am 18. September wird das Zehn-Jahr-Jubiläum mit einem Galaabend gefeiert, am Tag darauf können Besucher bei einem Tag der offenen Tür erstmals die neuen Räumlichkeiten kennenlernen und einen Einblick in die Arbeit des Vereins gewinnen.
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