„Ich habe Angst“
AfD-Wahlsieg: Linke stehen völlig unter Schock
Der Tag nach der Wahl. Keine gute Zeit für jene aus dem linken Spektrum, die nach dem AfD-Sieg den Einsturz der Brandmauer miterleben mussten. Die „Krone“ hat mit ihnen geredet.
Der Tag danach ist wie der Tag nach Silvester. Man riecht die Veränderung, aber irgendwie fühlt sich alles an wie gestern. Katerstimmung, schreibt man an dieser Stelle gerne, aber selbst das wäre für Karolin G. und Kilian W. noch zu euphorisch formuliert. Die beiden sitzen am Domplatz in Magdeburg in einem großen Herzen, was symbolisch ist, denn ihres ist gebrochen. „Ich habe Angst von dem, was jetzt kommt“, sagt sie – und er: „Für migrantische und queere Menschen wird es jetzt auf jeden Fall schlimmer.“
Man erkennt sie nach der Wahl in Sachsen-Anhalt auf den Straßen schnell, die Menschen, die mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Ihre Gesichter sind fast so lange wie die blauen Balken der AfD nach den Hochrechnungen. Eine Frau mit langem Gesicht ist Christa F., 75 Jahre alt. Ihre Stimme bekamen die Linken: „Ich will die AfD nicht. Gegen Ausländer habe ich auch nichts. In den Pflegediensten sind zum Teil viele von ihnen. Und wenn die alle weg sind, dann sind wir aufgeschmissen.“
„Wenn man bedenkt, wie viele Asylwerber hier sind“
Ausländer sind selbst bei jenen ein Thema, die nichts mit den Rechten am Hut haben. Cindy aus Cindys Schönheitsparadies in der Halberstädter Straße ist unvorteilhafte Ausgangslagen beruflich gewohnt, aber nach dem Sonntag gibt es auch für sie nichts zu beschönigen. „Das Wahlergebnis war zu erwarten, nicht aber, dass es so hoch ausfällt“, meint die 36-Jährige. Verwundert ist sie aber auch nicht: „Vor allem, wenn man bedenkt, wie viele Asylwerber man nach Deutschland gelassen hat.“
Auch sie sieht die Veränderung durch das Glas ihrer Auslage wie durch eine Art Zeitrafferkamera. „Hier waren Einkaufsläden, kleine Schuhgeschäfte und vieles mehr“, weiß Cindy zu erzählen. Heute sind es Barbershops, Dönerläden und diese Kioske, die fest in arabischer Hand sind. Obwohl der Anteil Nichtdeutscher in der Stadt nur bei 15,6 Prozent liegt, sind sie zu 100 Prozent Thema.
Neue Mauern innerhalb der Familien hochgezogen
In dem Land mit der Mauer wurde Sonntag auch die Brandmauer niedergerissen, die nächsten Trennwände innerhalb der Familien sind aber schon hochgezogen. „Ich habe kein Verständnis dafür, aus Frust die AfD zu wählen“, schimpft Brigitte N. Dabei gibt es blaue Sympathisanten unter ihren eigenen Verwandten. „Gott sei Dank bin ich weit von denen entfernt“, sagt sie. „Nee, muss ich nicht haben.“
Antonia U., eine Kundin in Cindys Schönheitsparadies, schiebt den Kinderwagen mit ihrem Sohn durch den Salon: „Ich habe ungültig gewählt, denn ich vertraue längst keiner Partei mehr. Was die Politik nicht schafft, mache ich für meinen Sohn. Ich bin seine Bundeskanzlerin.“
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