Widerstand in Wien

Schulstart: Erste Verstöße gegen Kopftuchverbot

Wien
07.09.2026 16:00

Rund 240.000 Kinder und Jugendliche starteten am Montag in der Bundeshauptstadt in das neue Schuljahr. Die „Krone“ begleitete eine zweite Klasse einer Brennpunktschule in Wien-Leopoldstadt. Aufgrund des Kopftuchverbots gab es dort keine Konflikte, andernorts wurde es zum Zündstoff.

Ein riesiges „Herzlich Willkommen“ in Regenbogen-Farben schmückt die Eingangstür der Volksschule in der Darwingasse im 2. Bezirk, davor steht Direktorin Lale Maierhofer-Tuna und begrüßt jedes Kind per Händedruck. Rund um sie scharen sich die Eltern mit Handykameras.

Sie sind aufgeregt, erzählt eine Mutter der „Krone“ bei einem Lokalaugenschein. Immerhin geht es für ihren sechsjährigen Sohn heute zum ersten Mal in die Schule, sagt sie in gebrochenem Deutsch.

Mit letzterem ist sie hier nicht allein. Viele Eltern sprechen Arabisch, Türkisch, manche Deutsch. Einige Mütter tragen ein Kopftuch. Die Volksschule hat einen besonders hohen Migrationsanteil. „Wir sind bunt und leben die Vielfalt“, sieht Maierhofer-Tuna den Nationalitätenmix als Vorteil. „Regenbogenschule“ nennt die Direktorin sie deshalb.

Die „Krone“ im Gespräch mit Direktorin Lale Maierhofer-Tuna
Die „Krone“ im Gespräch mit Direktorin Lale Maierhofer-Tuna(Bild: Imre Antal)
Die 2A der VS Darwingasse
Die 2A der VS Darwingasse(Bild: Imre Antal)

Durch den Chancenbonus, ein Programm der Bundesregierung, erhält die Schule deshalb heuer zwei weitere Mitarbeiter als Unterstützung. „Eine riesige Hilfe“, sagt sie. Obwohl die Integration hier bereits gut funktioniere.  „Eltern helfen sich gegenseitig, wenn jemand nicht so gut Deutsch spricht. Auch die Schüler sehen sich als Team“, erzählt Sara Prischl, Klassenvorstand der 2A.

Drei ihrer 22 Schüler besuchten heuer zwar die verpflichtende Sommerschule, aber: „die meisten Kinder sprechen die Sprache mittlerweile fließend und sind motiviert“. Ein Kopftuch trägt wegen des umstrittenen Verbots keines der Mädchen.

Konflikte wegen Kopftuchverbots 
An einzelnen Schulen kamen Kinder trotz des Verbots aber verhüllt. Das führt zu ersten Konflikten. Lehrergewerkschafter Thomas Krebs (FCG) habe aus einer Volksschule etwa gehört, dass die deutlich älteren Brüder eines Mädchens sehr aufbrausend auf das Verbot reagierten. 

Von Boykottaktionen, zu denen laut Lehrervertretung zuletzt im Internet aufgerufen wurde, oder großflächigen Versuchen, das Verbot durch alternative Kopfbedeckungen auszuhebeln, war Krebs bisher nichts bekannt. In Wien-Favoriten gebe es allerdings einen Standort, von dem „auffällig viele“ Verstöße gemeldet worden seien.

Am Montag ist auch gleich, nachdem das Kopftuchverbot mit Schulstart schlagend geworden ist, ein Antrag auf Aufhebung beim VfGH eingegangen. Schon vor dem Sommer hatte es einen ersten Anlauf gegeben, der allerdings als unzulässig zurückgewiesen wurde, da das Gesetz damals noch nicht unmittelbar wirksam war.

Zitat Icon

Ich bin selbst zweisprachig aufgewachsen. Bei uns funktioniert Schule trotz hohem Migrationsanteils. Wir sind ein eingespieltes Team.

Lehrerin Sara Prischl

Zwei Welten
In der Volksschule in der Darwingasse, die die „Krone“ besuchte, glaubt man nicht, dass das Kopftuchverbot künftig Probleme macht. „Ich hatte in den vergangenen Jahren kein einziges Kind mit Kopftuch“, sagt dazu Direktorin Maierhofer-Tuna.

Rund 200 Meter von der Darwingasse entfernt wird die Segregation in der Hauptstadt allerdings deutlich. Dort liegt nämlich die Volksschule in der Vereinsgasse, in der „nur“ rund die Hälfte der Kinder eine andere Erstsprache als Deutsch sprechen. Keine der vor dem Gründerzeitbau versammelten Mütter trägt ein Kopftuch. Ein Sinnbild für die verschiedenen Welten in der Stadt. Das zeigen auch die Daten.

Laut Schulatlas der Statistik Austria gehen die Schüler der Darwingasse nach der vierten Klasse eher in eine Mittelschule. In der Vereinsgasse führt der Weg für den Großteil vorwiegend in ein Gymnasium.

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