Jelinek am Burgtheater

„Unter Tieren“ oder die gefräßige Logik des Geldes

Kultur
06.09.2026 16:25

Von den Festspielen ins Repertoire: Elfriede Jelineks „Unter Tieren“ ist von Salzburg nach Wien übersiedelt. Auch am Burgtheater funktioniert Nicolas Stemanns „Textumsetzungsmaschine“ dank eines grandiosen Ensembles.

Warum nur haben die Menschen etwas geschaffen, das sie verdirbt und letztlich ruiniert? Es ist die zentrale Frage, auf die Elfriede Jelineks sprachanalytisch sezierte Wirtschaftschronik „Unter Tieren“ stets zurückkehrt. Die Rede ist vom Geld – wie es aus dem Nichts (als Kredit) geboren wird, wie es verschwindet, sich wandelt, aus sich selbst immer wieder neues Geld schafft. Zumindest für einige wenige.

Kurzweiliger szenischer Malstrom
Jelineks imposanter und fein gewobener Text „Unter Tieren“, eben bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, ist als Koproduktion im Wiener Burgtheater angekommen. Die „Textumsetzungsmaschine“, die Regisseur Nicolas Stemann dafür auf offener Bühne erdacht hat, breitet sich dabei im ganzen Haus aus – knapp vier Stunden lang werden Bühne und Zuschauerraum, Logen und Gänge bespielt, bis alle 30 teils interaktiven Tierszenen realisiert sind und die Trachtenkapelle ihre Runden gedreht hat.

Das tolle Ensemble ist vollends im Text angekommen, Live-Musik und Video sind passgenau. Die herrlichen Sprachanalysen und verbalen Doppeldeutigkeiten Elfriede Jelineks klingen nach. Etwa von Gläubigen, die auf Erlösung und Gläubigern, die auf Auszahlung hoffen, die feinen Nuancen zwischen Schulden und Schuld haben oder die entlarvenden Unlogik der Logiken des Finanzmatrktes. Einige von ihnen hätten im kurzweiligen szenischen Mahlstrom etwas mehr Gewicht verdient.

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