Die Hamburger Elbphilharmonie prägt nach einigen Anfangsschwierigkeiten seit einem Jahrzehnt die HafenCity. Das wird nun groß gefeiert: Die Jubiläumssaison verspricht ein vielfältiges Festprogramm.
Unlängst veröffentlichte die „New York Times“ ein Ranking der umstrittensten Bauwerke der Welt. Unter den Top 10 landete die Hamburger Elbphilharmonie. Kein Wunder, schließlich war sie eines der meistdiskutierten Bauprojekte Deutschlands. Die Kosten explodierten von gut 241 Millionen auf fast 800 Millionen Euro, statt 2010 öffnete das Konzerthaus erst 2017.
Fast 30 Millionen Besucher in der berühmten Plaza
Zehn Jahre später blicken die Hamburger entspannt auf den Skandal zurück, der zu so einer Sensation wurde. Gleich von Beginn an wurde die Elbphilharmonie schier überrannt. Mehr als sieben Millionen Konzertbesucher konnte man im vergangenen Jahrzehnt empfangen. Im Großen Saal liegt die Auslastung noch immer bei 96 Prozent. Auch die öffentlich zugängliche Plaza – dank der spektakulären Architektur von „Herzog & de Meuron“ ein Ereignis für sich – haben rund 29,5 Millionen Gäste besichtigt. Der von den Hamburgern liebevoll „Elphi“ genannte Bau wurde zum Wahrzeichen nicht nur der Stadt, sondern ganz Deutschlands.
Neben dem Gebäude selbst und der einzigartigen Akustik im Konzertsaal, die dank der „Weißen Haut“ aus rund 10.000 individuell gefrästen Gipsfaserplatten bis in die obersten Ränge kristallklar klingt, prägte ein Österreicher von Anfang an die Erfolgsgeschichte mit. Der frühere Direktor des Wiener Konzerthauses, Christoph Lieben-Seutter, sorgt nicht nur mit großartigen Orchestern und Künstlern für Top-Qualität, sondern machte aus der „Elphi“ das versprochene „Haus für alle“. „Wir haben das Glück, dass viele der wichtigsten Orchester ihre Tourneen rund um den Auftritt bei uns planen“, freut sich der Lieben-Seuter über den anhaltenden Ansturm auch von künstlerischer Seite.
Auch die Wiener Philharmoniker verbindet eine eigene Liebesgeschichte mit der Elbphilharmonie – mit 21 Konzerten waren sie von den internationalen Orchestern am häufigsten zu Gast.
Von Beethoven bis zur Techno-Marching-Band
Für Vielfalt sorgt auch das experimentierfreudige Angebot, das weit über die Grenzen der Klassik hinausgeht: von eigenen Jazz-Zyklen, zahlreichen Uraufführungen zeitgenössischer Musik, ungewöhnlichen Festivals bis hin zu Popstars wie Elvis Costello, Paolo Conte oder Robbie Williams.
Ein facettenreiches Programm bietet auch die am Dienstag von Dirigent Manfred Honeck und seinem Pittsburgh Symphony Orchestra eingeläutete Jubiläumssaison. Nicht nur der eigene Geburtstag wird gefeiert, sondern auch „250 Jahre Amerika“. Um mit der Musik (und nicht mit Martial-Arts-Kämpfen) gerade in unserer Zeit die besten Seiten der USA zu zeigen. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Musik des Libanons und der musikalischen Auseinandersetzung mit dem Prometheus-Mythos.
Und natürlich wird auch Beethoven in seinem Gedenkjahr gewürdigt. Unter anderem beim tatsächlichen Geburtstagskonzert der „Elphi“ am 11. Jänner 2027, bei dem auch John Adams’ „Harmonielehre“ und die Techno-Marching-Band Meute auf dem Programm stehen.
Die Elbphilharmonie ist also der beste Beweis, „wie Kontroversen mit der Zeit an Bedeutung verlieren“, so die „NYT“ – und zu Erfolgen werden können. Auf Platz eins landete übrigens der Turmbau von Babel. Dem gelang dies bekanntermaßen nicht ganz so gut . . .
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