Akademietheater

Am Ende aller Utopien regiert der blanke Klamauk

Kultur
06.09.2026 17:30

Tankred Dorsts „Merlin oder Das wüste Land“ wird im Akademietheater zur grotesk infantilen Auseinandersetzung mit dem Scheitern menschlicher Utopien.

Ist die wahre Natur des Menschen gut oder böse? Auch Tankred Dorsts „Merlin“ kreist um diese ewige Menschheitsfrage. Eine tragische Parabel um den Zauberer Merlin, König Artus und die Tafelrunde, in der die Utopie einer friedlichen Welt letztlich scheitert. Dafür braucht der Mensch nicht einmal den Teufel.

Regisseur Antú Romero Nunes hat aus dem modernen Märchen ein spaßiges Kindertheater für Erwachsene gemacht. Er lässt die Figuren Pseudo-Mittelhochdeutsch sprechen, die Szenen vor Klamauk und Kunstblut triefen, reduziert die Charaktere auf ulkige Schablonen, ködert die Aufmerksamkeit der Besucher wie im Kasperltheater durch heitere Mitmachelemente.

Als spaßiges Geblödel funktioniert dieser Abend dank des präsenten Ensembles gut – vor allem Sarah Viktoria Frick (Merlin) und Lilith Häßle (Lancelot) gelingen stimmige Charaktere.

Vom Helden zur Witzfigur
Was nach 3 Stunden von dieser infantil derben Posse mit tieftraurigem Kern bleibt, ist dürftig. Der Mensch ist nicht mehr der tragische Held, sondern die Witzfigur seiner scheiternden Erfolgsgeschichte. Jede Vision bleibt Groteske, der Teufel ein böser Harlekin.

Utopien, suggeriert dieser Abend, sind es gar nicht mehr wert, erdacht oder gehegt zu werden, für einen ernsthaften Weckruf ist es längst zu spät. Der Menschheit ist nicht mehr zu helfen. Diese spaßig-kindliche Lesart sagt viel über unsere Gegenwart aus. Angesicht der düsteren Weltlage bleiben offenbar nur zwei Optionen – aufgeben oder sich in Galgenhumor flüchten. „Sonst gibt ez keine hôpe mêre!“ Beides keine besonders beruhigende Aussicht.

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