Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland regiert wohl ein Rechtsextremist ein Bundesland. Ulrich Siegmund wurde in Sachsen-Anhalt der erste Ministerpräsident der AfD. Doch was steckt hinter dem 35-Jährigen, der die Wähler in seinem Bann zog?
Er ist 35 Jahre alt und mit allen Wassern gewaschen. Ulrich Siegmund zapft gerne Bier, schickt Selfies durch die virtuelle Welt und weiß, wie er sich inszenieren kann. Er ist der Kumpel, der an jedem Stammtisch gerne gehört wird – ein Mann des Volkes ist er, der Frontman der rechtsextremistischen Alternativen für Deutschland (AfD). Irgendwann war er der Deutsche Parfumverkäufer – heute will er für Recht und Ordnung sorgen. Siegmund ist kein strategischer Hardliner. Er zieht die Menschen mit seinen einfachen Botschaften – mit Dingen, die viele hören wollen in den Bann.
In politische Familie hineingeboren
Siegmund wurde 1990 geboren – nur wenige Wochen nach der deutschen Wiedervereinigung. Aufgewachsen in Tangermünde, einer Kleinstadt an der Elbe mit 10.000 Einwohnern. Er habe eigenen Angaben zufolge eine „wohlbehütete, sichere“ Kindheit gehabt. Seine Heimatstadt, so erklärte er gegenüber dem MDR, habe er als „heile Welt“, in der man sich helfe und zusammenstehe, erlebt.
Sein Vater arbeitet als Elektroingenieur, er sitzt wie sein Sohn für die AfD im Stadtrat. Der ältere Bruder ist ebenfalls im Stadtrat – allerdings für die „Freien Stadträte Tangermünde“. Seine Mutter ist vor ein paar Jahren nach einem Reitunfall gestorben, wie der „Spiegel“ berichtete.
Tugenden seien in seiner Familie wichtig gewesen: „Dass nichts vom Himmel fällt. Und ein gewisses Unrechtsradar. Dass man nicht alles glauben soll, was sie einem erzählen“, erklärte Siegmund dazu. Nach dem Gymnasium schloss er eine verkürzte kaufmännische Ausbildung in einem Elektrogroßhandel ab. Nach einigen Jahren im Außendienst arbeitete er in einer Berliner Augenklinik. Später studierte er neben seinem Vollzeitjob BWL und Wirtschaftspsychologie.
Siegmund war erst bei der CDU
Mit 18 Jahren trat Siegmund 2008 in die CDU ein – er bewarb sich für einen Posten im Vorstand der CDU-Ortsgruppe, den er aber nicht bekam. 2014 wechselte er schließlich zur AfD. Während der Corona-Zeit war gesundheitspolitischer Sprecher und veröffentlichte Videos über „Pandemie-Panikmache“, die ihm viele Klicks brachten. Er wurde sogar zu einem der reichweitenstärksten Politiker auf TikTok. Er stieg schließlich zum Fraktionsvorsitzender im Landtag, dann Spitzenkandidat auf.
Weggefährten mit neonazistischem Hintergrund
Einige seiner treuen Weggefährten haben jedoch eine dunklere Vergangenheit. Frühere Mitglieder der Heimattreuen Deutsche Jugend, die 2009 vom Bundesinnenministerium verboten wurde, arbeiten heute für Siegmund. Patrick Harr, seine rechte Hand und Pressesprecher der Fraktion, war vor zwei Jahrzehnten in der Bundesführung der HDJ.
Auch der AfD-Jurist Laurens Nothdurft hat eine rechtsextreme Vergangenheit. Er hatte als „Zweiter Bundesführer“ einen wichtigen Posten in der HDJ inne und könnte nun Staatssekretär im Justizministerium werden. Harr dagegen könnte Gerüchten zufolge die Staatskanzlei nach dem AfD-Sieg leiten.
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