25-Jahr-Jubiläum

Kindervilla: Früh übt sich die Mehrsprachigkeit

Tirol
04.09.2026 12:00

Innsbrucks erste mehrsprachige Kinderbildungseinrichtung feiert Jubiläum. Seit über 25 Jahren wird hier Sprachenvielfalt von der Kinderkrippe an gelebt. Ganz ohne Druck lernen die Kinder eine andere Sprache ganz nebenbei.

Was früher für Nasenrümpfen sorgte, stellt heute niemand mehr infrage. Als die Kindervilla im Jahr 2000 in Innsbruck ihre Türen öffnete, war mehrsprachige Kinderbildung und -betreuung etwas völlig Neues. Manche fragten sich, wozu das überhaupt notwendig sei. Heute hat sich die Sichtweise verändert.

Mehrsprachigkeit und interkulturelles Verständnis gewinnen in der Bildung immer mehr an Bedeutung.

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Wenn uns Kinder nach der Kindergartenzeit verlassen, sprechen viele eine Fremdsprache fast wie ihre Erstsprache.

Marlene Seeberger, Pädagogische Leiterin

Erstsprache wichtige Grundlage
Eine wichtige Grundlage für den Erwerb weiterer Sprachen ist dabei die Erstsprache. In der Kindervilla bekommen die Kinder die Möglichkeit, ihre Sprache zu entwickeln und gleichzeitig kommen sie früh mit weiteren Sprachen in Kontakt.

Gerade in den ersten Lebensjahren haben sie das einzigartige Talent, Sprachen intuitiv zu ...
Gerade in den ersten Lebensjahren haben sie das einzigartige Talent, Sprachen intuitiv zu erlernen.(Bild: Kindervilla Innsbruck)

Was oft erst im Schulalter beginnt, startet in der Kindervilla bereits in der Kinderkrippe. Hier lernen die Kinder ganz beiläufig Englisch, Italienisch und Französisch. Begleitet werden sie dabei von „Native Speakern“, also Pädagogen, deren Muttersprache die jeweilige Fremdsprache ist.

Frühes Gefühl für Sprachrhythmus
„Die frühe Mehrsprachigkeit ist das Herzblut der Kindervilla“, erklärt Marlene Seeberger, pädagogische Leiterin. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das klassische Sprachenlernen. Die Kinder entwickeln schon früh ein Gefühl für Sprachrhythmus und Wortgrenzen. Sie hören und erkennen Sprache zunächst, bevor sie beginnen, vollkommen eigenständig eigene Sätze zu bilden. Zuerst sind es einzelne Wörter, dann Zweiwortsätze und schließlich längere Sätze.

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Die frühe Mehrsprachigkeit ist das Herzblut der Kindervilla

Marlene Seeberger, pädagogische Leiterin

Kinder analysieren intuitiv Sprachen ohne Anweisung
Ein entscheidender Vorteil von Kindern gegenüber Erwachsenen ist ihre unbewusste Fähigkeit, grammatische Regeln zu erfassen. Sie müssen diese nicht bewusst lernen, um eine neue Sprache zu verstehen. Deshalb findet der Alltag in der Kindervilla in der jeweiligen Zielsprache statt. Beim gemeinsamen Spielen, Essen und Lernen tritt die Sprache in den Hintergrund und wird ganz natürlich Teil des Alltags. Die Kinder tauchen sozusagen in das neue Sprachumfeld ein.

Ein entscheidender Vorteil von Kindern gegenüber Erwachsenen ist ihre unbewusste Fähigkeit, ...
Ein entscheidender Vorteil von Kindern gegenüber Erwachsenen ist ihre unbewusste Fähigkeit, grammatische Regeln zu erfassen.(Bild: Kindervilla Innsbruck)

Sprache ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit
Marlene Seeberger erklärt zudem, dass Sprache immer auch der Schlüssel für Verständnis, Empathie und mehr Selbstsicherheit sei. „Wer sich sprachlich ausdrücken kann, kann auch seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen“, sagt sie. Und durch dieses Selbstbewusstsein könne man sich auch neuen Dingen oder Menschen anders öffnen.

Die Kindervilla befindet sich in der Grillparzerstraße 4 in Innsbruck.
Die Kindervilla befindet sich in der Grillparzerstraße 4 in Innsbruck.(Bild: Kindervilla Innsbruck)

Auch Zusammensetzung der Gruppe entscheidend
Wie hilfreich die frühe Mehrsprachigkeit sein kann, zeigt der Rückblick von Benjamin Chamandy. Als rein englischsprachiges Kind kam er von Toronto nach Innsbruck. „Ich bin dort zweisprachig aufgewachsen und im Rückblick war das ein richtiges Geschenk. Später an der Universität habe ich mir Italienisch und Russisch angeeignet.“

Damit solch ein Erfolg gelingt, brauche es laut Seeberger qualifiziertes Personal. Entscheidend sei außerdem die Zusammensetzung der Gruppe. Ein Drittel der Kinder könne eine andere Erstsprache als Deutsch haben, während die übrigen Kinder Deutsch als Erstsprache sprechen. Nur so können die Kinder ganz selbstverständlich voneinander lernen.

Seit mittlerweile 25 Jahren lebt die Kindervilla Mehrsprachigkeit.

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