Polizei jagt Saboteur

Bekennerbrief wurde mit einem Namen unterschrieben

Ausland
04.09.2026 11:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach mehreren mutmaßlichen Sabotage-Akten auf kritische Infrastruktur in Deutschland hat die Polizei einen Tatverdächtigen im Visier. Auf die Spur brachte die Ermittler ein Bekennerbrief, das mit Namen unterzeichnet war.

Das Schreiben bezieht sich auf die Vorfälle bei den Umspannwerken in Bergheim (Nordrhein-Westfalen) und Jänschwalde (Brandenburg). Es war per Post an die Redaktion der „taz“ geschickt worden, wie die Zeitung am Donnerstagabend berichtete. Der Brief war laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen abgeschickt worden.

Kabeln auf Leitungen geschossen
Nach Angaben der Zeitung stellt sich der Absender als Einzeltäter dar. Im Detail beschreibt er die verwendeten Selbstbauraketen, mit denen Kabel auf die Hochspannungsleitungen bei den Stromanlagen geschossen wurden. Im Umspannwerk Bergheim bei Köln war es deswegen zu einem Kurzschluss gekommen.

Die Karte zeigt drei Standorte in Deutschland, an denen Sabotage-Vorrichtungen an Umspannwerken entdeckt wurden. Die betroffenen Orte sind Jänschwalde, Dormagen und Bergheim. Quelle: APA.

Als Motiv für die Sabotageakte verweist der Schreiber auf „unermessliches Leid“, das die Nutzung fossiler Brennstoffe verursache. Wie die „Bild“ unter Berufung auf die Polizei berichtet, fahnden die Ermittler nun nach einem Mann namens Daniel V. aus dem Raum Gevelsberg in Nordrhein-Westfalen. Er soll der Verfasser des handschriftlichen Briefs sein und ihn mit seinem eigenen Namen unterzeichnet haben.

Verdächtiger oder Trittbrettfahrer?
Unklar ist noch, ob der Mann tatsächlich etwas mit den Sabotagefällen zu tun hat oder ob es sich um einen Trittbrettfahrer handelt, betont die Polizei. Es läuft jedenfalls eine deutschlandweite Großfahndung.

Die Polizei geht insgesamt von drei Sabotagefällen seit Dienstag aus: An den Umspannwerken in Bergheim, Jänschwalde und Dormagen. Hier wurden verdächtige Gegenstände gefunden (siehe Grafik oben).

Polizisten suchen beim Umspannwerk Bergheim ein Feld ab. Dort kam es am Dienstag zu einem ...
Polizisten suchen beim Umspannwerk Bergheim ein Feld ab. Dort kam es am Dienstag zu einem Kurzschluss, nachdem Kabel auf die Leitung geschossen worden waren.(Bild: APA/dpa/Henning Kaiser)

Die bei Dormagen gefundenen Konstruktionen ähneln laut Polizei stark den Abschussvorrichtungen, mit denen in Bergheim Kabel über die Oberleitungen geschossen und so mehrere Kraftwerksblöcke lahmgelegt wurden. Nach Informationen der „Bild“ waren an den Abschussvorrichtungen Zeitschaltuhren und Kupferdrähte befestigt. 

Zwei weitere Einsätze
Zudem gab es in der Nacht auf Freitag einen Einsatz am Umspannwerk Ganderkesee bei Oldenburg in Niedersachen nahe Bremen, nachdem dort verdächtige Umstände gemeldet wurden. Zuletzt rückte die Polizei auch zum Werk Weisweiler nahe Aachen in Nordrhein-Westfalen aus, weil im Bekennerbrief eine weitere Tat dort genannt worden war. Auch hier ist der Sabotageverdacht noch unbestätigt.

Als Reaktion auf die Stromnetz-Sabotage nahe dem Kraftwerk Jänschwalde kündigte das brandenburgische Innenministerium am Donnerstag ein neues Sicherheitszentrum im Land zum Schutz von kritischer Infrastruktur an. Die Angriffe auf das Stromnetz zeigten, wie bedroht die kritische Infrastruktur in Deutschland sei. „Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind“, sagte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU).

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