Maroder Flugzeugträger
„USS Abraham Lincoln“ von Bug bis Heck verrostet
Die „USS Abraham Lincoln“ lief nach fast 300 Tagen auf See am Mittwoch in der thailändischen Touristenhochburg Pattaya zur Freude der Besatzung endlich wieder in einen Hafen ein. Beobachter zeigten sich jedoch schockiert und berichten von einem äußerst desolaten Zustand des US-Flugzeugträgers. Das Kriegsschiff der Superlative ist von Bug bis Heck verrostet ...
Exakt 286 Tage hatte der Flugzeugträger seit dem Verlassen des Heimathafens in San Diego, Kalifornien, auf See verbracht. Nach einem Einsatz im Pazifik lautete die Mission des atomgetriebenen Schiffes, Kampf- und Blockadeaktionen gegen den Iran im Nahen Osten durchzuführen.
Besatzung monatelang ohne Landgang
Doch es lief nicht nach Plan: Die monatelange Belastung ohne Landgang und die Zustände an Bord hatten für erhebliche Unruhe gesorgt. Berichte über Probleme mit der Wasserversorgung, verstopfte Toiletten sowie zunehmende psychische Belastungen der fast 5000 Personen zählenden Besatzung infolge diverser Missstände kursierten.
In einigen Fällen sollen Besatzungsmitglieder nach Angaben ihrer Angehörigen versucht haben, über Bord zu springen. Das US-Militär wies die schwersten Vorwürfe zurück.
Als das 330 Meter lange und bis zu 74 Meter hohe Schiff am Mittwoch schließlich bei Pattaya in den Hafen Laem Chabang einlief, war für Beobachter jedoch sofort ersichtlich: Die „USS Abraham Lincoln“ befindet sich tatsächlich in keinem guten Zustand. Der Flugzeugträger war von Bug bis Heck mit Rost bedeckt, besonders betroffen war der Bereich entlang der Wasserlinie. Auch Algenbefall war sichtbar.
Mühsame Arbeiten an der Wasserlinie
Gegenüber CNN sagte ein ehemaliger Kapitän der US-Marine, Carl Schuster, dass sich ab 60 Tagen ununterbrochenen Einsatzes starker Rost bildet. „Das Problem lässt sich aber nicht auf See lösen, insbesondere nicht während Kampfeinsätzen“, so Schuster. Für die Reparatur müssen Arbeiter bis zu Wasserlinie hinabgelassen werden, den Rost abschleifen. Danach werden mehrere Schichten Grundierung und Farbe aufgetragen.
Um die Schäden vollständig zu beheben, seien rund 30 Arbeitstage nötig. Da für den Aufenthalt im Hafen aber nur fünf Tage vorgesehen sind, können vorerst nur Arbeiten mit hoher Priorität erledigt werden. Am stärksten vom Rost befallen ist der vordere Bereich des Rumpfes, da der Bug insbesondere bei Fahrten auf hoher See vom Salzwasser am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wird. Für diese Arbeiten muss das Schiff stillstehen und frei von Wellengang sein.
Stahlkonstruktion in Gefahr
Bereiche des oberen Decks könnten auch während der Fahrt bearbeitet werden. Das Problem gehört laut Schuster jedenfalls behandelt, denn: „Rost ist wie eine ansteckende Krankheit. Er breitet sich aus. Deshalb ist es besser, frühzeitig etwas dagegen zu unternehmen, um ihn einzudämmen als später mit einem viel größeren Problem konfrontiert zu werden“. Wartet man zu lange, könne die Stahlkonstruktion angegriffen werden, was ein Risiko für die Sicherheit der Decks, Laufstege und Rettungsvorrichtungen darstelle.
Nun sollen während des Aufenthalts im Hafen nicht nur die gravierendsten Schäden eingedämmt werden, sondern sich auch die Besatzung von den körperlichen und psychischen Belastungen erholen.
„Rost ist wie eine ansteckende Krankheit. Er breitet sich aus.
Carl Schuster, ehemaliger Kapitän der US-Marine
„Unsere Ankunft in Laem Chabang bietet unseren Seeleuten und Marinesoldaten die wohlverdiente Gelegenheit, sich zu erholen und neue Kraft zu tanken“, wurde Konteradmiral Robert E. Loughran in einer Mitteilung der US-Navy zitiert. Am 6. September soll schließlich die Rückfahrt nach San Diego beginnen.
Einige Aktivitäten sind untersagt
Rund 40 Busse sollen die Soldaten von Laem Chabang nach Pattaya und zurück transportieren. Sie dürfen auch auf die vorgelagerte Insel Koh Larn fahren und in Hotels übernachten. Einige Aktivitäten sind ihnen allerdings untersagt: Dazu gehören Wassersportarten wie Jetski und Parasailing sowie der Konsum von Cannabis.
Walking Street als Zentrum der Sexindustrie
Die berühmt-berüchtigte Walking Street in Pattaya dürfen die US-Soldaten besuchen, sie müssen das Vergnügungsviertel aber bis zwei Uhr morgens verlassen, wie die „Bangkok Post“ unter berichtete. Die Walking Street ist die bekannteste Ausgehmeile des Touristenorts mit grell leuchtenden Bars, Go-Go-Klubs und Nachtlokalen – zugleich gilt sie als Zentrum der Sexindustrie.
Pattaya schon im Vietnamkrieg bei US-Soldaten beliebt
Es ist bereits das dritte Mal, dass die „USS Abraham Lincoln“ in Thailand Station macht. Der Flugzeugträger hatte Laem Chabang schon 2006 und 2012 angelaufen. Die Verbindung zwischen Pattaya und dem US-Militär reicht Jahrzehnte zurück, denn auch während des Vietnamkriegs war Pattaya ein beliebtes Erholungsziel für US-Soldaten.

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