Zehntausende Erstklässler in ganz Österreich werden in den kommenden Wochen eingeschult, allein in Tirol sind es fast 8000 Mädchen und Buben. Der „Krone“-Schulratgeber weiß, wie der Start für Kinder und ihre Eltern gelingt.
Der erste Schultag ist ein besonderer Moment: Für Kinder beginnt ein neuer Lebensabschnitt, für Eltern heißt es, ein Stück weit loszulassen und Vertrauen zu schenken. Die letzten Ferienwochen bieten eine gute Gelegenheit, behutsam auf die Volksschule einzustimmen. Wichtig sind Sicherheit, Selbstständigkeit und die Freude zu stärken, etwas Neues zu entdecken. Kinder profitieren davon, wenn sie im Alltag immer mehr selbst übernehmen dürfen. Sich anziehen, die eigenen Sachen wegräumen oder bei kleinen Aufgaben im Haushalt mithelfen. All das stärkt das Gefühl: „Ich kann das schon selbst.“ Genau dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist für den Schulstart wertvoll.
Ständiges Abfragen, Arbeitsblätter und Vergleiche mit anderen Kindern sind nicht zielführend.

Manfred Jordan, „Krone“-Schulratgeber
Bild: Johanna Birbaumer
Mit Spiel und Erzählungen Sprachkompetenz stärken
Auch gemeinsames Spielen ist eine hervorragende Vorbereitung. Die Kinder lernen Regeln zu beachten, zuzuhören, zu warten und mit Erfolg oder Enttäuschung umzugehen. Lernen findet ganz nebenbei statt und ist mit positiven Erfahrungen verbunden. Vorlesen, Geschichten erzählen und gemeinsame Gespräche fördern Wortschatz, Ausdruck und Zuhören. Schon wenige Minuten am Tag sind äußerst wertvoll und fördern die Sprachkompetenz.
Ebenso sinnvoll sind lustvolles Malen, Basteln, Schneiden, Kneten oder Bauen, weil diese Tätigkeiten die Feinmotorik und Geschicklichkeit unterstützen.
Schon vor dem Schulstart einen Rhythmus finden
In der letzten Ferienwoche darf durchaus mehr Alltag einkehren. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus, ein ruhiger Morgen geben Orientierung. Gemeinsam können Eltern und Kind Jausen vorbereiten und besprechen, was am ersten Schultag ungefähr passieren wird. Das macht das Unbekannte vertrauter.
Wichtig auch: Eltern sollten den Schulweg mehrmals gemeinsam mit ihrem Kind gehen oder, wenn es mit dem Fahrrad unterwegs sein wird, entsprechend üben. Dabei geht es nicht nur darum, den Weg kennenzulernen, sondern vor allem auch darum, gefährliche Stellen zu erkennen und sichere Verhaltensweisen zu üben. Wo muss ich eine Straße überqueren? Wo befinden sich Zebrastreifen oder Ampeln? Worauf muss ich beim Abbiegen von Autos achten? Wenn möglich, können Eltern den Schulweg auch einmal zu jener Uhrzeit ausprobieren, zu der das Kind später tatsächlich unterwegs sein wird. Dadurch lassen sich Verkehr, Wartezeiten und mögliche Stolperstellen realistisch kennenlernen.
Fragen an „Krone“-Schulratgeber Manfred Jordan gerne per Mail an: schulratgeber-tirol@kronenzeitung.at
Ängste und Sorgen der Kinder ernst nehmen
Rat an Eltern: Kein „Vorschulklima“ schaffen. Ständiges Abfragen, Arbeitsblätter und Vergleiche mit anderen Kindern sind nicht zielführend. Auch Aussagen wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ können unnötige Sorgen auslösen. Besser ist es, neugierig und positiv über die Schule zu sprechen. Hat das Kind Angst oder ist es aufgeregt, sollten Eltern diese Gefühle ernst nehmen. „Du bist aufgeregt – das ist ganz normal. Du kannst immer um Hilfe fragen“ vermittelt Zuversicht, ohne die Sorgen kleinzureden.
Für einen positiven, neugierigen und selbstbewussten Start in die Volksschule brauchen die Kinder das Gefühl, dass ihnen ihre Eltern etwas zutrauen, dass Fehler erlaubt sind und dass sie Unterstützung bekommen. So gelingt der Schulstart!
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