Was vor ein paar Jahren noch Zukunftsmusik war, wird nun nach und nach Realität. Die Rede ist von selbstfahrenden Fahrzeugen auf den Straßen. Im Zuge des Europäischen Forums Alpbach in Tirol testeten die ÖBB erstmals einen vollautomatisierten E-Bus.
Es ist fast 120 Jahre her, als im August 1907 mit der ersten Fahrt eines Postbusses von Neumarkt (Steiermark) nach Predazzo (Südtirol) auch in Tirol Mobilitätsgeschichte geschrieben wurde. Beim Europäischen Forum in Alpbach schlagen die ÖBB nun ein neues Kapitel im Geschichtsbuch auf. Erstmals in Österreich setzen sie einen E-Bus ein, der vollautomatisch fährt.
Innovative Technologien müssen nicht nur im Labor bestehen, sondern unter realen Bedingungen.

ÖBB-CEO Andreas Matthä
Bild: Christof Birbaumer
Sicherheitsfahrer an Bord
Auf einer definierten Strecke bringt Postbus die Fahrgäste durch Alpbach und sammelt dabei unter realen Einsatzbedingungen wertvolle Erfahrungen. „Der Pilotbetrieb erfolgt für die Fahrgäste unentgeltlich und mit einem Sicherheitsfahrer an Bord“, betonen die ÖBB in einer Aussendung.
Die anspruchsvolle Topografie in Alpbach samt engen Straßen und regem Verkehrsaufkommen sei ein wichtiger Praxistest für die Mobilität der Zukunft. Dazu sagt ÖBB-CEO Andreas Matthä: „Innovative Technologien müssen nicht nur im Labor bestehen, sondern unter realen Bedingungen. Genau diese Praxiserfahrungen brauchen wir, um den öffentlichen Verkehr Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.“
Nächste Anwendung schon in Planung
Die Erkenntnisse aus dem Pilotbetrieb in Alpbach bilden die Grundlage für weitere Anwendungen. Im nächsten Schritt soll der vollautomatisierte E-Bus am Campus Wolfurt in Vorarlberg Unternehmen im Industriepark an die S-Bahn anbinden und dort weitere Praxiserfahrungen sammeln.
Zum Einsatz kommt der vollelektrische „Autonomous e-CENTRO C“ des türkischen Busherstellers Otokar, dessen Technologie mit eigener Engineering-Kompetenz entwickelt wurde. Das Fahrzeug verfügt über SAE-Level-4-Technologie und kann die Fahraufgabe innerhalb eines definierten Einsatzbereichs grundsätzlich selbstständig übernehmen. Nach österreichischer Rechtslage befindet sich weiterhin eine geschulte Sicherheitsfahrerin bzw. ein geschulter Sicherheitsfahrer an Bord.
Otokar verfügt bereits über Erfahrungen mit autonomen Linienverkehren in Europa, unter anderem in Madrid. Diese Erkenntnisse fließen nun in die österreichischen Anwendungen ein.
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