Mordversuchsprozess

Als 19-Jährige schlief, Böller ins Zimmer geworfen

Gericht
03.09.2026 18:00

Das hätte auch ganz anders ausgehen können! Laut Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt (NÖ) sogar tödlich. Im Jänner warfen zwei junge Männer Böller ins Schlafzimmer einer 19-Jährigen. Als „Denkzettel“, meint der Erstangeklagte (20). Einen Mordvorsatz streiten alle vor den Geschworenen vehement ab.

„Wissen Sie, was in Ternitz 2022 passiert ist? Da sind zwei Jugendliche durch Böller aus Tschechien gestorben“, konfrontiert die beisitzende Richterin im Landesgericht Wiener Neustadt (NÖ) den erstangeklagten 20-Jährigen. Der junge Niederösterreicher meint unbeeindruckt: „Das war halt eine Schnapsidee. Ich war da schon ziemlich betrunken. So gut durchdacht, hab ich das nicht.“

Böller detonierte im Schlafzimmer
Am 8. Jänner dieses Jahres warf er zusammen mit einem Freund zwei illegale Feuerwerkskörper aus Tschechien in die Wohnung einer 19-Jährigen in Perchtoldsdorf – ein Blitzknallkörper detonierte in ihrem Schlafzimmer. Wo die junge Frau in ihrem Bett lag ...

Streit wegen eines Mädchens als Auslöser
Was die jungen Männer als „Denkzettel“ bezeichnen, klagt die Staatsanwältin als Mordversuch an: „Kann man durch Feuerwerkskörper sterben?“ – ein pyrotechnisches und medizinisches Gutachten bejahen das.

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Im Rausch bin ich dann auf die Idee gekommen, ihr einen Denkzettel zu verpassen.

20-jähriger Erstangeklagter

Der 20-jährige Niederösterreicher verteidigt sich: „Vier Jahre lang war sie wie eine Schwester für mich. Ich würde ihr doch nie wehtun wollen.“ Seit der Schule war der Lehrling mit dem Opfer eng befreundet. Bis der junge Mann seine erste Liebe traf. „Ich hab’ meiner besten Freundin gesagt, dass ich jetzt nicht mehr so viel Zeit hab.“ Da hätte die 19-Jährige angefangen, im Freundeskreis über ihn zu schimpfen. „Im Rausch bin ich dann auf die Idee gekommen, ihr einen Denkzettel zu verpassen.“

Anwalt Peter Philipp vertritt den Viertangeklagten – der mit der Sache gar nichts zu tun haben ...
Anwalt Peter Philipp vertritt den Viertangeklagten – der mit der Sache gar nichts zu tun haben will.(Bild: Anja Richter)

Zusammen mit dem Zweitangeklagten (22) machte er sich am 8. Jänner auf den Weg zur Wohnung des Opfers. Und schlug dort Terrassentür und Fenster ein. Ein Video zeigt die Wucht der Explosion. „Wir wollten Chaos anrichten“, beteuert der 20-Jährige, gedacht zu haben, seine ehemalige Freundin sei in Salzburg auf Urlaub. Mit „nur“ einem Tinnitus kam die 19-Jährige zum Glück noch glimpflich davon.

„Es gibt mir einen Kick, wenn ich den Knall höre“ 
Richterin Birgit Borns konfrontiert den Erstangeklagten: „Bei Ihnen wurden ja immens viele Böller gefunden.“ – „Es gibt mir einen Kick, wenn ich den Knall höre“, gibt der Niederösterreicher zu. In Tschechien kaufe er Feuerwerkskörper, weil sie dort einfach billiger wären als in Österreich. „Das war so nah an der Grenze. Ich dachte nicht, dass die so schlimm sind. Ich hab‘ die Böller auch noch nie davor gezündet. Auf den Videos haben sie harmlos ausgeschaut.“

Die Anklagebank muss er sich mit seinem 22-jährigen Komplizen teilen. Und zwei weiteren Freunden, die ihn psychisch bestärkt haben sollen. Anwalt Peter Philipp vertritt den Letztangeklagten: „Der hat ja mit der ganzen Geschichte überhaupt nichts zu tun.“ Am zweiten Verhandlungstag sagt das Opfer aus.

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