Live in der Arena

Dick Brave: Selbst Elvis würde ein Tänzchen wagen

Musik
03.09.2026 00:18

14 Jahre lang war Dick Brave, das erfolgreiche Rockabilly-Alter-Ego des deutschen Popstars Sasha, nicht mehr live in Wien zu sehen. Beim großen Comeback am Mittwochabend blieben zwar viele Lücken in den Publikumsreihen, das aus unterschiedlichsten Covern zusammengestoppelte Programm überzeugte aber zu einem großen Teil.

kmm

Aller guten Dinge sind drei – zumindest scheint das das Motto des deutschen Millenniumspopstars Sasha zu sein, der nach 2002 und 2011 vor einem Jahr ein weiteres Mal sein Alter Ego Dick Brave zu den Lebenden zurückholte. Was vor knapp 25 Jahren als Idee für eine halbprivate Weihnachtsshow begann, hat sich für den 54-Jährigen zu einer zweiten, einträglichen Karriere entwickelt. In ihrer aktuellen Inkarnation aber ohne die Backbeats, es sind nicht mehr alle Mitglieder der damaligen Begleitband mit an Bord. Das macht in der Realität aber gar nichts, denn es geht um den Frontmann. Einem Publikumsliebling, mit dem der Großteil des nur 1500 Menschen fassenden Arena-Auditoriums mitgewachsen. Rock’n’Roll- und Elvis Presley-Ehrerbietung scheinen bei der Generation Z nicht sonderlich anschlussfähig zu sein, zumindest hat bis dato noch kein TikTok-Trend dazu geführt, dass sich auch Studenten oder Lehrlinge zu einem Dick Brave-Konzert verirren.

Humor trotz hageren Besuchs
So bleibt am spätsommerlichen Gelände dafür weitaus mehr Platz, um zu den Liedern zu tanzen. Das führt zu regelrechten „Battles“, welches Paar das andere zu überbieten weiß. Bei manchen werden dann auch die Grenzen des Machbaren überschossen und aus einer gutgemeinten Drehung wird ein Schwindelanfall, der zum unfreiwilligen Fall führt. Die Gummimatten schützen das Gesäß vor Schlimmeren - so kann die Party munter weitergehen. Die ist trotz des hageren Besuchs von Anfang an auf höchstem Level, denn so mancher Fan musste ganze 14 Jahre auf diesen Abend warten. So lange es ist mittlerweile her, dass Dick Brave sich live in Wien präsentierte. Auch in seinen 50ern ist der Frontmann mit einer beeindruckenden Fitness ausgestattet, im legeren Hemd und mit Seidenhose gewandet, die Rockabilly-Tolle perfekt nach hinten gegelt.

Nicht jeder Song konnte vollends überzeugen. Etwaige Schwächen wurden humorig überspielt.
Nicht jeder Song konnte vollends überzeugen. Etwaige Schwächen wurden humorig überspielt.(Bild: Imre Antal)

Dazu kommt seine vierköpfige Band, stilistisch genauso wie das Equipment und der durchaus provokant am Bühnenrücken thronende „Dick“-Leuchtschriftzug auf das Gesamterlebnis abgestimmt und optisch ideal austariert. Sein Alter Ego hat Sascha Röntgen-Schmitz, so der richtige Name des Sängers, bereits zweimal wirkungsvoll begraben, den Auftritt und das Konzept nimmt der Wahl-Hamburger äußerst ernst. Den eigens angelernten deutschen Dialekt mit kanadischer Schlagseite zieht er nicht nur wirkungsvoll durch die Show, auch bei Interviews lässt er sich nicht aus der Fassung bringen und insistiert darauf, dass Sasha und Dick Brave nie und nimmer dieselbe Person wären. Das sorgt hinter den Kulissen für skurille Momente, auf der Bühne und vor den begeisterten Fans funktioniert der Schmäh aber so problemlos, als hätte er nicht schon einen mehrere Dekaden alten Bart.

Famose erste Halbzeit
Live geht es um eine möglichst gute Stimmung und die erreicht man am schnellsten durch das Interpretieren großer Klassiker. Als alten Entertainment-Profi gelingt es Brave mit einem Lächeln, zwei schnellen Hüftschwüngen und ein paar wohlgemeinten Sätzen zu Wien schnell, die Gunst des Publikums zu erobern. Der Einstieg gelingt famos. Das Take That-Cover „Back For Good“, gleichermaßen Namensspender für sein im Frühling veröffentlichtes Doppelalbum wird textsicher mitgesungen, das selbstgeschriebene Lied „Tonight (I Ain’t Rock)“ sorgt dann für richtiges Rock’n’Roll-Feeling und schon wenige Songs später fragt man sich eigentlich, wieso er nicht viel öfter eigenes Material in die Setlist einstreut. An der mangelnden Qualität kann es nicht liegen, denn die ungezügelte Wucht des Songs macht ihn zu einem sehr frühen Höhepunkt der Show. Vor allem in der ersten Konzerthälfte pulvert Brave mit seinen Spießgesellen ein Trumpfass nach dem anderen ins Konzertrund.

Dick Brave vor seinem Auftritt in der Wiener Arena mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.
Dick Brave vor seinem Auftritt in der Wiener Arena mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.(Bild: Imre Antal)

Dabei gelingen manche Versionen besonders gut. „Beautiful Things“ vom amerikanischen Senkrechtstarter Benson Boone ist wie für Braves Stimme gemacht, die ungebremste Freude, die Sänger und Band bei der flotten Version von Michael Jacksons „Black Or White“ versprühen, bleibt genauso länger im Gedächtnis verhaften, wie „Take On Me“ von A-Ha, „Freedom! ‘90“ von George Michael und ein in seiner bewusst stupideren Machart gefertigtes „Shake It Off“ der Pop-Königin Taylor Swift. Dass man absolut nicht alles in einen 50er-Jahre-Mantel stecken kann, beweisen diverse misslungene Versuche. Ganz schlimm gerät das totgespielte und völlig an Gut und Böse vorbeigaloppierende ABBA-Cover „The Winner Takes It All“. Mit dem Carole King-Klassiker „Take Good Care Of My Baby“ macht er sich genauso wenig neue Freunde, wie mit Depeche Modes „Enjoy The Silence“.

Durst nach Rock’n‘Roll
Bremsend wirken zuweilen auch die instrumentalen Interludes, die zu lange dauern und zwischen flotten Nummern zu oft den Drive aus dem Gesamterlebnis nehmen. Diese vereinzelten Kritikpunkte fallen aber nicht tragisch aus und ändern auch nichts daran, dass Dick Brave ein geborener Unterhaltungskünstler ist und Schwächen in der B-Note sofort mit seinem gewinnenden Grinsen und der ehrlich gemeinten Freude am Tun konterkariert. Es ist eine Revue, die Nostalgiefreudige bedient und zuweilen fast schon stärker ins Theatralische oder in ein Musical-Eck wegrutscht, wenn auf der Bühne miteinander interagiert wird. Das vielleicht größte Schmankerl des Abends: „All Shook Up/(Let Me Be Your) Teddy Bear“ und das Eddie Cochran-Cover „Summertime Blues“ setzen auf ein einziges Mikrofon und die Stärke des Kontrabasses. Ein Vergnügen, dass die dürstenden Besucher tatsächlich in eine andere Welt versetzt und sie vor allem bangen lässt? Wird da jetzt wieder zwölf Jahre bis zum nächsten persönlichen Feiertag dauern: Im Talk mit der „Krone“ ist er felsenfest von einer Fortführung überzeugt – dafür wird es aber auch ein paar Leute mehr vor der Bühne brauchen ...

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