Große Anlage geplant

AVL-Krise: Wie Saudi-Arabien neue Hoffnung macht

Steiermark
02.09.2026 12:50

Zwei Tage nach der Hiobsbotschaft folgt eine Nachricht, die Hoffnung macht: Der Technologiekonzern AVL List baut in Graz weiteres Personal ab – in Saudi-Arabien ist zugleich eine einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Flugkraftstoff in Reichweite. 

Der Personalabbau von AVL List ist noch nicht abgeschlossen: Wie berichtet, müssen weitere 180 Mitarbeiter das Grazer Technologieunternehmen gehen. Anfang des Jahres waren es etwa 350, im Vorjahr 450 Dienstnehmer. Die Krise der Automobilindustrie schlägt voll durch. Der Grazer Leitbetrieb ist in einem schmerzhaften Restrukturierungsprozess, der bis Ende 2028 angesetzt ist. Der legendäre Helmut List wechselte in den Aufsichtsrat, neuer Vorstandsvorsitzender ist Lukas Walter. Der Einstieg von Investoren wird als eine Möglichkeit gesehen, „derzeit wird aber kein Investor gesucht“, betont AVL-Sprecher Markus Tomaschitz gegenüber der „Krone“.

Künstlicher Treibstoff um vieles günstiger
Neue Märkte und neue Technologien sind jedenfalls  gefragt. Ein Hoffnungsmarkt ist Saudi-Arabien. Dort will der Energiekonzern ACWA die Steirer mit einer sogenannten eSAF-Pilotanlage beauftragen. Mit ihr soll, um bis zu 50 Prozent günstiger als es derzeit möglich ist, nachhaltiger Flugkraftstoff hergestellt werden, der die CO₂-Emissionen im Flugverkehr reduziert. 

AVL forscht seit mehr als zehn Jahren in diesem Bereich und hat in Graz auch eine Pilotanlage für eFuels (synthetischer Treibstoff) in Betrieb genommen. Das in der Steiermark entwickelte Verfahren basiert auf einer Hochtemperaturelektrolyse, die Wasser und CO2 direkt in Synthesegas umwandelt – und das ist der Ausgangsstoff für die Herstellung von synthetischem Kerosin. 

Vertragsunterzeichnung rückt näher
Die Anlage in Saudi-Arabien wäre in ihrer Konfiguration einzigartig, betont Tomaschitz. Es gab intensive Vorgespräche und eine Absichtserklärung, die endgültige Vertragsunterzeichnung rückte nun im Rahmen einer Delegationsreise mit Staatssekretär Alexander Pröll ganz nahe und soll in den kommenden Wochen erfolgen. Die Umsetzung der Anlage soll dann unmittelbar starten. Das Investitionsvolumen wird nicht verraten, der Auftrag wäre aber jedenfalls „extrem wichtig“ für AVL, so Tomaschitz. 

Pröll sieht ein „starkes Signal für den heimischen Wirtschafts- und Forschungsstandort“. Ziel von Reisen wie jene nach Saudi-Arabien sei es, internationale Aufträge und Partner gezielt für den Wirtschaftsstandort Österreich zu gewinnen und aus Gesprächen rasch konkrete, wirtschaftlich wirksame Projekte werden zu lassen. 

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