Kritik an Festspielen

Kickl, KPÖ und dummer Klassenkampf auf Sparflamme

Salzburg
31.08.2026 18:30

Eine KPÖ-Umfrage sorgte am Sonntag für kurze Aufregung in und abseits des Salzburger Festspielbezirks. Ein Kommentar von „Salzburg Krone“-Chefredakteur Claus Pándi.

Die Kommunisten warteten bis zum Sonntag. Dem letzten Tag der heurigen Festspielsaison. Dann schlug die KPÖ mit einem merkwürdigen Manöver zu: mit einer Umfrage, die irgendwie beweisen soll, dass eine Mehrheit der Salzburger die Festspiele nicht besuche. Weil zu teuer oder nicht interessant genug. Um der Geschichte einen Hauch von frivoler Frische zu geben, streute Salzburgs Kommunistenführer, der Edelpopulist Kay-Michael Dankl, noch die üblichen Reizwörter wie „Trubel und Schickimicki“ ein. Klassenkampf auf Sparflamme.

(Bild: Krone KREATIV)

Das kann Kickl besser. Der FPÖ-Chef beschimpfte bei einem Besuch in Salzburg die Festspiele oder das Festspielpublikum, so genau weiß man das nicht, als Inzuchtpartie, bei der er erst gar nicht dabei sein wolle. Das ist dumm und krumm.

Und wozu das alles? Kickl und Kay sind möglicherweise Brüder im Geiste. Bei Kunst und Kultur waren die ganz Rechten und die ganz Linken immer schon näher beieinander, als ihnen lieb sein mag. Der Kunst sagen wollen, was gut ist. Bestimmen wollen, wer wofür Geld ausgibt: Da beginnt die Malaise, und da endet bald die Freiheit.

Kunst und Kommunismus haben eine besonders leidvolle Beziehungsgeschichte. In Russland wurde gleich mit der Oktoberrevolution von oben eine Kulturideologie verordnet. Dahinter stand eine kommunistische Idee: Kunst sollte nicht länger der Luxus einer kleinen Elite sein. Der Künstler sollte nicht mehr nur schöne Gegenstände herstellen, sondern an der Konstruktion einer neuen Gesellschaft mitarbeiten.

Als Inzuchtpartie beschimpfte Herbert Kickl, FPÖ-Chef und Brachialpopulist, die Salzburger ...
Als Inzuchtpartie beschimpfte Herbert Kickl, FPÖ-Chef und Brachialpopulist, die Salzburger Festspielgäste. Kay-Michael Dankl, KPÖ-Chef und Edelpopulist, redet von Schickimicki-Partie.(Bild: Sf Andreas Kolarik)

Unter Stalin wurde der Sozialistische Realismus zur offiziellen ästhetischen Doktrin. Um die durchzusetzen, entstand ein Herrschaftssystem aus Privilegien und Terror. Der Staat machte Künstler wirtschaftlich abhängig. Man korrumpierte und unterdrückte sie mit Wohnungen, Ateliers, Datschen und Aufträgen von Theaterbühnen.

Das Raffinierte am sowjetischen System war, dass der Staat bestimmen wollte, was die Wirklichkeit ist.

In einem anderen kommunistischen Staat, in China unter Mao, gab es sogar eine Kulturrevolution. Die hatte aber mit Kultur nichts zu tun. Sondern das war eine Massenkampagne zur Machtbereinigung und zur gesellschaftlichen Radikalisierung.

Nun: Kay-Michael Dankl hat das wohl alles nicht vor. Vielleicht hat er auch gar nichts vor? Vielleicht will er einfach nur ein nettes Leben und gelegentlich billige Aufmerksamkeit abstauben. In der Frage, mit der er sich in seine politische Funktion katapultiert hatte, dem Versprechen, Wohnungen zu bauen, tut sich wenig. Das ist auch schwierig in Salzburg. Aber das hätte Dankl wissen können. Es wäre jedenfalls besser, er und seine Genossen kümmern sich um ihre Wahlversprechen und lassen die Finger von der Kultur.

Am kommenden Wochenende findet auf der Jesuitenwiese im Wiener Prater übrigens das Volksstimmefest der KPÖ statt. Der Eintritt ist kostenlos. Die kommunistische Partei hat das Geld.

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