Die Stromkosten könnten heuer ein Loch in die Geldtasche der Österreicher reißen und die Inflation spürbar ankurbeln. Das Problem ist das Prinzip, das den Strompreis bestimmt, sagt Gabriel Felbermayr, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Denn eigentlich günstig produzierter Strom kann dadurch plötzlich viel teurer werden.
Bisher hat das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) für das heurige Jahr mit einer Inflation von drei Prozent gerechnet. Doch das Preis-Plus „wird im Jahresverlauf sicher über dieses Niveau gelangen“, befürchtet Wifo-Chef Felbermayr, am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“.
Einer der großen Mitgründe dafür sei, dass die Strompreise durch das Merit-Order-Prinzip immer noch an den Gaspreis gekoppelt seien, was endlich geändert gehöre. „Das ist für uns kein gutes Regime“, findet der Ökonom. „Ausflüge des Gaspreises nach oben müssen vom Strompreis abgekoppelt werden“, fordert er.
Die Koppelung hat enorme Auswirkungen auf die Geldtasche der Österreicher: In Österreich wird etwa die Hälfte der Strom-Jahresstunden durch den Gaspreis festgelegt, weil irgendwo Gaskraftwerke laufen und die Preise setzen.
Zuletzt ist Gas teurer geworden, der Preis stieg auf mehr als 80 Euro pro Megawattstunde. Ein Gaspreis von 80 Euro bedeutet, dass Strom 160 bis 180 Euro pro Megawattstunde kostet, rechnet Energieexperte Walter Boltz in der „Zeit im Bild 2“ vom Donnerstag vor.
Wegen der angespannten Lage in den Meeresengen Hormuz und Bab al-Mandab wegen des Iran-Kriegs könnten die Preise für Öl und Gas noch weiter ansteigen, befürchten Experten. Durch das Merit-Order-Prinzip würde dann auch Strom aus Windkraft – die mit dem Krieg im Iran nichts zu tun hat – teurer werden, wenn viel Strom nachgefragt wird und Gaskraftwerke eingeschaltet werden müssen.
Immer wieder wurde in der Vergangenheit gefordert, dass das Merit-Order-Prinzip abgeschafft wird. Doch die Debatte dreht sich im Kreis, geändert hat sich bisher nichts.
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