Nach einer Vergewaltigung wurde in Linz einer Obdachlosen nicht geholfen – daher entstand am Uniklinikum die Gewaltambulanz. Doch nun gibt's wieder Wirbel um einen ähnlichen Fall. Es handelt sich um eine Trans-Frau, die nach einem sexuellen Übergriff im Kreis geschickt wurde.
Der Fall ist bereits am 26. Mai passiert, kam erst jetzt ans Licht, weil sich die Betroffenen an die Öffentlichkeit wandte. Das Opfer wurde als Mann geboren, ist jetzt als Frau eingetragen und damit offiziell eine Trans-Frau. Und ihr seien, so die Anzeige, K.-o.-Tropfen verabreicht und sie dann vergewaltigt worden.
Gynäkologie nicht zuständig
Das Opfer kann aus der Wohnung fliehen, kann über ein geborgtes Handy bei einer Freundin Alarm schlagen und zu ihr flüchten. Dort holt sie die Polizei, die dann die Rettung alarmiert. Weil der Rettungswagen laut moment.at nach einer Dreiviertelstunde noch immer nicht da ist, bringen die Polizisten die Trans-Frau auf die Gynäkologie der Barmherzigen Brüder. Dort sei sie aber nicht behandelt worden, weil sie biologisch ein Mann ist.
In einem Nebenraum hätte die Polizei dann Spurensicherung machen sollen, doch diese rückte wieder ab, weil es Spuren waren, die vom Spital gesichert hätten werden sollen. Schließlich wird das Opfer, das über Panikattacken und Schmerzen klagt, in ein anderes Spital verwiesen.
Dreieinhalb Stunden Warten
Sie kommt – es wurden noch keine Spuren gesichert – ins Spital der Elisabethinen, wird von der Rettung überstellt. Doch auch hier ist die Trans-Frau falsch, sie wird in die Gewaltambulanz am Kepler Uniklinikum „umgeleitet“. Dort wird sie, wie in einem Polizeibericht steht, in einem „Abstellraum“ untergebracht, es gibt weiter keine Medikamente und erst auf Nachdruck wird das Opfer auf der Urologie aufgenommen. Es erfolgt die Sicherung der Verletzungen, Blutabnahme – wegen der K.-o.-Tropfen, Sicherstellung der Kleidung. Dies sei erst dreieinhalb Stunden, nachdem das Opfer das erste Mal in ein Spital gekommen war, passiert. Die Ermittlungen zur mutmaßlichen Vergewaltigung laufen noch.
„Krone“ deckte Skandal auf
Der Fall erinnert an jenen Fall vom Frühling des Vorjahres, als eine obdachlose Linzerin nach einer Vergewaltigung trotz Begleitung einer Sozialarbeiterin aus der Gynäkologie ohne Behandlung weggeschickt worden war. Nachdem die „Krone“ diesen Fall aufgegriffen hatte, wurde die Gewaltambulanz gegründet, die sich noch im Aufbau befinden. Hier werden Opfer von Sexualverbrechen medizinisch behandelt, dabei Spuren gesichert, um Täter auch überführen zu können. Im Fall der vergewaltigten Obdachlosen blieben die Ermittlungen erfolglos, wurden ruhend gestellt.
Politische Reaktion
Die Linzer Frauenstadträtin Eva Schobesberger (Grüne) reagiert auf den aktuellen Fall: „Dass sich so ein Vorfall nun wiederholt, ist unfassbar. Erneut wurde eine Person, der Schlimmes zugestoßen ist, die betäubt und vergewaltigt worden ist, im Stich gelassen.“ Wie schlimm es sein muss, wenn man nach einer brutalen Gewalttat auch noch so ein Martyrium durchmachen muss, ist unvorstellbar. „Es darf hier jetzt nicht zur Tagesordnung übergegangen werden. Die Krankenhäuser haben dafür Sorge zu tragen, dass unter keinen Umständen auch nur noch eine weitere Person nach einer Vergewaltigung von einem Krankenhaus weggeschickt wird und alle Menschen, denen so etwas Schreckliches widerfährt, umgehend die nötige Behandlung bekommen“, so Schobesberger.
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