Was sie jetzt anlockt

Wespensaison steuert auf ihren Höhepunkt zu

Österreich
28.08.2026 07:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

Viele haben es vielleicht schon geahnt: Heuer sind besonders viele Wespen unterwegs. Die Plagegeister hatten in diesem Jahr optimale Bedingungen – und ihre Saison erreicht aktuell ihren Höhepunkt. Ein Experte gibt Tipps im Umgang mit den Insekten – und verrät, auf welche Lebensmittel sie jetzt ganz besonders abfahren.

Die Gefahr durch Wespen werde oft unterschätzt, berichtete Gunter Sturm, Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz in Wien-Favoriten und der Forschungsgruppe Klinische Allergologie an der Univ.-Hautklinik Graz. 

Stiche seien für Allergiker „potenziell lebensgefährlich“. In Österreich sterben laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) sieben Menschen pro Jahr an Insektenstichen. Erst kürzlich starb in Oberösterreich ein 32-Jähriger nach einem Hornissenstich, weil er seinen Adrenalin-Pen nicht in greifbarer Nähe gehabt haben dürfte.

Experte empfiehlt Allergikern Immuntherapie
Laut Sturm bestehe aber durchaus die Möglichkeit, Todesfälle zu verhindern. Der Experte verwies etwa auf eine Immuntherapie, mit der man innerhalb von ein paar Wochen geschützt sei. „Da gibt es eine fast 100-Prozent-Erfolgsrate.“ Die Immuntherapie werde von der Krankenkasse übernommen, man brauche nur etwas Zeit dafür.

Ein charakteristisches Wespennest – es darf in Österreich nicht eigenmächtig oder ohne triftigen ...
Ein charakteristisches Wespennest – es darf in Österreich nicht eigenmächtig oder ohne triftigen Grund zerstört oder entfernt werden, da Wespen nach dem Naturschutzrecht geschützt sind.(Bild: FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMMAYR)

Notwendig seien „sieben Wochen zum Aufimpfen“ – mit einer Impfung pro Woche. In der Erhaltungsphase, die nach der Aufdosierungsphase drei bis fünf Jahre dauert und dazu dient, den Impfschutz langfristig abzusichern, wird einmal pro Monat eine Dosis verabreicht. Laut Sturm eine „superwirksame Therapie mit wenig Nebenwirkungen“. Ein Notfallset mit einem Adrenalin-Pen sei immer nur eine Notlösung, aber besser als nichts, so der Fachmann.

Diesjährige Bedingungen für Wespen optimal
Im Spätsommer und im Herbst sind die Wespenpopulationen am größten. Früher in der Saison brauchen die Wespen vor allem Proteine, um ihre Larven zu versorgen. Daher mögen sie besonders gerne Fleisch und besuchen so manche Grillerei im Garten. Im Moment schwenken sie um auf Süßes – sie fliegen besonders auf Kuchen, Säfte und andere süße Getränke. Damit versorgen sie sich selbst mit energiereichem Zucker. Laut Sturm waren die Bedingungen heuer optimal für Wespen, denn Hitze und Trockenheit begünstigen die Entwicklung von Wespenvölkern.

Das hilft bei einem Wespenstich:

  • Verbleibenden Stachel entfernen 
  • Stachel nicht „ausdrücken“, sondern mit Pinzette oder Fingern entfernen
  • Stichstelle mit Seife und Wasser waschen
  • Kühlen mit kaltem Wasser, Eiswürfeln, kühlenden Umschlägen
  • Elektrische Stichheiler können kurz nach dem Stich das Gift durch Hitze bekämpfen
  • Gels gegen Instektenstiche aus der Apotheke
  • Bei einem Stich an Hand oder Fuß kann es helfen, Arm oder Bein hochzulegen
  • Bei Schmerzen helfen rezeptfreie Schmerzmittelwie Paracetamol oder Ibuprofen
  • Auf Hausmittel wie Essig oder Zwiebel verzichten: Infektionsrisiko!
  • Auch wenn es juckt: Nicht kratzen, sonst droht eine Entzündung
  • Bei Stichen in Mund-, Rachenraum oder in die Nähe der Augen unbedingt Arzt aufsuchen
  • Bei Atemnot, Rötung am ganzen Körper, Schluck- und Sprechstörungen, Schwächegefühl, Kraftlosigkeit, Kaltschweißigkeit oder Bewusstlosigkeit Rettung rufen

Wespen- und Hornissengift relativ ident
Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Wespenarten, nur zwei davon würden sich laut Sturm den Menschen nähern – nämlich die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Beide hätten derzeit recht große Populationen, so der Mediziner. Seltener begegne man Hornissen, diese seien friedlich und auch nachts aktiv. Wespen- und Hornissengift sei jedoch relativ ident. Bienen hätten eine leicht höhere Giftdosis, so Sturm. „Ein Hornissenstich ist aber nicht gefährlicher als ein Wespenstich“, räumte der Experte mit falschen Geschichten auf.

Allergie tritt erst ab dem zweiten Stich auf
All jene, die noch nie von einer Biene, Wespe oder Hornisse gestochen worden sind, und daher nicht wüssten, ob sie allergisch sind oder nicht, beruhigte Sturm. „Wenn man noch nie gestochen worden ist, kann man noch keine Allergie haben“, so der Arzt. Eine Allergie trete frühestens beim zweiten Stich auf, erklärte er. Und auch unter Allergikern gäbe es Abstufungen. Manche hätten nach einem Insektenstich gesteigerte lokale Reaktionen, die meist eine Woche lang bleiben. „Aber wenn man nur mit der Haut reagiert, muss man keinen Pen haben“, empfiehlt Sturm. Gefährlicher werde es, wenn die Symptome den Kreislauf betreffen und es etwa zu Atemnot komme. „Gefährliche Reaktionen treten meistens in den ersten zehn Minuten auf“, so Sturm. Bei allergischen Reaktionen sollte man auf jeden Fall Notfallmedikamente nehmen, rät der Mediziner.

Jedem, der eine mittelschwere bis schwere Insektengiftallergie hat, empfiehlt Sturm eine Immuntherapie. Und noch ein Tipp: Allergiker sollten während der Saison nicht im Freien essen oder barfuß in der Wiese herumgehen. „Also ich würde im Moment nicht untherapiert draußen sitzen und essen“, so Sturm.

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