Das dreizehn Wochen alte Baby James aus Niederösterreich wurde am Montag abgeholt. Der Staatsanwalt stellte das Verfahren nach der „Koks-Affäre“ zwar ein, trotzdem bleibt das Kind verschwunden. Ein Video zeigt das ganze Drama um die Abholung.
Es ist ein Video, es dauert zwei Minuten und fünf Sekunden. Es zeigt eine resolute Sozialarbeiterin, die ihren Job macht. Sie holt James, im Auftrag des Landes. Das 13-Wochen alte Kind wird Anfang dieser Woche vor laufender Kamera seinen Eltern entrissen.
Flehen der Mama bleibt unkommentiert
Das Flehen von Kathi (23), der jungen Mama, bleibt ungehört und unkommentiert. Das Baby wird von einer Mitarbeiterin der Jugendwohlfahrt der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf in einem Maxi-Cosi abtransportiert, ein paar Strampler darf die Oma der Sozialarbeiterin noch in die Hand drücken. Alles unter strengster Bewachung von knapp einem Dutzend Polizisten. Im Wohnzimmer steht ein Beamter, vor der Haustür zwei weitere – und im Eingangsbereich des Weinviertler Einfamilienhauses gleich die nächsten. Aber was war passiert?
„Kokain-Affäre“ um Baby
Wie berichtet, ließ die junge Mutter ihr Kind an einem der heißesten Sommertage ins Spital einliefern. James trank nicht, wollte nicht essen. Im Mistelbacher Spital wurde alles gemacht, um die Ursache abzuklären. Schließlich nahm das Schicksal seinen Lauf: Der Kleine wurde positiv auf Kokain getestet, zwei Stunden später negativ, die Mutter negativ, irgendwann positiv.
Keiner weiß, wo sich das Kind befindet
Die Behörde reagierte „zum Wohle des Kindes“. Kathi und James wurden in ein Mutter-Kind-Heim nach Ansfelden (OÖ) gebracht. Kurz darauf entschied eine Richterin – aufgrund eines negativen Drogen-Haartestes und gewissen Argumenten der Jugendwohlfahrt (Haarefärben verfälscht Drogentests), dass der Bub mit der Mama wieder zum Kindesvater und den Großeltern ins Haus kommen muss. Jetzt ist das Baby weg. „Ohne jegliche Begründung“, sagen die Anwälte Elisabeth Thaler und Manfred Arbacher-Stöger. Niemand weiß, wo sich das Kind befindet. SPÖ-Soziallandesrätin Eva Prischl putzt sich ab – kein Kommentar, es geht hier um Kindeswohl.
Verfahren wurde eingestellt
Fakt ist, die Kindesabnahme wurde aufgrund eines Polizeiberichtes der Polizeiinspektion Gaweinstal vollzogen. Ein Verfahren, das bei der Staatsanwaltschaft aktenkundig war. Bis Dienstag. Das Verfahren wurde eingestellt. James ist noch immer weg. Ein Antrag über sofortige Rückführung des Kindes ist gestellt.
Anwältin Elisabeth Thaler: „Hier dürfen einfache Behördenmitarbeiter, ohne juristische Kenntnisse, aus einem bloßen Bauchgefühl heraus Zwangsmaßnahmen durchsetzen, ohne dabei einer gerichtlichen Kontrolle zu unterliegen.“
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