Europaweit einzigartig

TU Graz: „Bahnbrechender“ Gleis-Prüfstand eröffnet

Steiermark
27.08.2026 16:05

Das neue, hochmoderne Labor „Railway and Infrastructure Laboratory“ der TU Graz hebt die Eisenbahnforschung auf ein neues Level. Tests unter realitätsnahen Bedingungen sollen die Bahninfrastruktur leistungsfähiger und klimaresilienter machen. Der Prüfstand in Graz ist europaweit einzigartig.

„Einschränkungen im Bahnbetrieb wegen großer Hitze möglich.“ Bahnfahrern in ganz Österreich ist diese Meldung spätestens seit der letzten Hitzewelle nicht mehr fremd. Die hohen Temperaturen verursachten sogenannte Gleisverwerfungen, also Verformungen der Schienen, die zu Verzögerungen und sogar Ausfällen von Zügen führen können. Um gegen derartige Probleme in Zukunft besser gerüstet zu sein, wird am Institut für Eisenbahn-Infrastrukturdesign an der TU Graz seit Jahren intensiv geforscht.

Die Freude über den neuen Eisenbahnprüfstand „Railway and Infrastructure Laboratory“ in der Inffeldgasse war am Donnerstag dementsprechend groß: „Die Eisenbahn hat eine lange Tradition. Die Eisenbahnforschung an der TU Graz hat ebenfalls eine lange Tradition. Dieses neue Labor ist eine perfekte Ergänzung zu unserer bestehenden Forschungsinfrastruktur“, ist TU-Rektor Horst Bischof überzeugt.

Der neue Eisenbahnprüfstand in Graz ist europaweit einzigartig. Die Kosten dafür liegen bei rund ...
Der neue Eisenbahnprüfstand in Graz ist europaweit einzigartig. Die Kosten dafür liegen bei rund vier Millionen Euro.(Bild: Lunghammer - TU Graz)
voestalpine-Vorstand Franz Kainersdorfer, Institutsleiter Ferdinand Pospischil und TU-Rektor ...
voestalpine-Vorstand Franz Kainersdorfer, Institutsleiter Ferdinand Pospischil und TU-Rektor Horst Bischof (v.l.) sind stolz auf den neuen Prüfstand.(Bild: Lunghammer - TU Graz)

Vier Millionen Euro für einzigartiges Labor
Ein Blick in das hochmoderne Prüflabor bestätigt das: Der fünf Meter lange, 3,5 Meter breite und 1,8 Meter tiefe Oberbausimulator bildet das Herzstück der Forschungsstätte. Hier können ab sofort nicht nur einzelne Komponenten von Gleisen getestet werden, sondern das Gesamtsystem Schiene, noch bevor eine aufwendige Prüfung im laufenden Bahnbetrieb erfolgt. So können etwa Entwicklungszyklen verkürzt und Grundlagen für leistungsfähigere und langlebigere Fahrwegsysteme geschaffen werden. Vollständige Eisenbahn-Fahrwegsysteme können hier also auf ihre Belastbarkeit und Haltbarkeit während des simulierten Realbetriebs geprüft werden – von Schiene und Schwelle über Schotter und Unterbau bis in den Untergrund.

Rund vier Millionen Euro kostet der europaweit einzigartige Prüfstand. Finanziert wurde er von der TU, der Forschungsförderungsgesellschaft FFG und der voestalpine. „Dieser Prüfstand wird die Entwicklungszeiten, wo wir uns ansonsten an der Strecke aufhalten müssen – und da sprechen wir von vielen Jahren –, ganz stark verkürzen und Innovationszyklen optimieren“, zeigt sich auch Franz Kainersdorfer, Vorstandsmitglied der voestalpine, begeistert.

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Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Praxis zu bringen und so zu einer leistungsfähigeren und klimaresilienten Bahn beizutragen. 

Ferdinand Pospischil, Leiter des Instituts für Eisenbahn-Infrastrukturdesign

Auch Starkregenereignisse werden simuliert
Aber nicht nur extreme Hitze und Kälte spielen eine Rolle im Labor. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die „Grube“, die Tests auf realitätsnahem Untergrund ermöglicht und in der Feuchtigkeitsbedingungen gezielt verändert werden können: „Diese ,Grube‘ können wir auch fluten, um Starkregenereignisse zu simulieren und herauszufinden, wie diese den Ober- und Unterbau beeinflussen. So können wir die Dauerhaftigkeit der Eisenbahninfrastruktur erforschen“, erzählt Ferdinand Pospischil, Leiter des Instituts. Die Freude auf die erste Flutung ist „sehr groß“, bestätigt der Professor mit leuchtenden Augen.

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