Von Österreich geehrt

Ungarischer Autor Péter Nádas mit 83 verstorben

Kultur
26.08.2026 13:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der ungarische Schrifsteller Péter Nádas ist Mittwochfrüh im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Gombosszeg verstorben. Der Autor wurde immer wieder als Favorit für den Literaturnobelpreis gehandelt und pflegte enge Beziehungen zu Österreich.

Die Todesnachricht wurde auf der Facebook-Seite des Schriftstellers bekannt gegeben. „Wir veröffentlichen diese Nachricht auf Wunsch der Familie und bitten die Leser sowie die Vertreter der Presse hiermit, bis auf Weiteres zu respektieren, dass die Familie keine Stellungnahme abgeben möchte“, hieß es dazu.

„Vermesser der Seelenlandschaft“
Die dunkle Macht des Hasses, die Grausamkeiten, die Menschen einander antun, die Ideologien und Gräuel des 20. Jahrhunderts sind die großen Themen, die das Lebenswerk des 1942 in Budapest Geborenen durchziehen. Seine Literatur geht dabei ganz nah auf die Menschen zu. Mit dem Blick eines Chirurgen oder eines Fotografen – zu dem er in jungen Jahren ausgebildet wurde – erfasste Nádas, was die Geschichte mit den Menschen anrichten. Als „großen Vermesser der europäischen Seelenlandschaft“ bezeichnete ihn die Literaturkritikerin Iris Radisch.

Zu Österreich hatte Nádas enge Beziehungen. So wurde er 1991 mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet und war 2023 Ehrengast bei „Literatur im Nebel“ in Heidenreichstein.

Als Kleinkind Holocaust überlebt
Den NS-Völkermord an den europäischen Juden überlebte Péter Nádas mit seiner Familie in Verstecken und mit falschen Papieren. In der Familie des Heranwachsenden war die jüdische Herkunft dennoch kein Thema. Die Eltern waren überzeugte und dann enttäuschte Kommunisten. Die Mutter erlag früh einer Krankheit, Nádas war da erst 13. Drei Jahre danach verübte der Vater Suizid. Von 1965 bis 1969 arbeitete Nádas bei diversen Zeitungen, danach war er freier Schriftsteller. Seine Schreibweise fand im kommunistischen Ungarn nur zögerlich Anerkennung. Fast zwölf Jahre arbeitete am „Buch der Erinnerung“, einem monumentalen Roman, der ihm zum Durchbruch im deutschen Sprachraum verhalf.

2001 las der Schriftseller bei den Salzburger Festspielen aus seinen Werken.
2001 las der Schriftseller bei den Salzburger Festspielen aus seinen Werken.(Bild: APA/Franz Neumayr)

17 Jahre widmete Nádas dem Roman „Parallelgeschichten“. Auf den 1700 Seiten der deutschen Fassung verwebt er scheinbar zusammenhanglos Personen, Motive und Ereignisse zu einem Universum jenseits des Textes. Schauplätze und Zeitebenen wechseln oft abrupt. Minutiös seziert der Autor die wechselseitige Wirkung menschlicher Körper und die in ihnen abgespeicherten Erinnerungen und menschheitsgeschichtlichen Katastrophen. Holocaust und stalinistischer Terror kommen darin nicht direkt vor. „Aufleuchtende Details“, ein weiteres Monumentalwerk von fast 1300 Seiten, handelt wiederum genau von dieser Zeit und ergänzt somit die „Parallelgeschichten“.

„Schauergeschichten“
Im Mittelpunkt seines letzten Romans „Schauergeschichten“ stehen ein fiktives ungarisches Dorf an der Donau und seine Bewohner im 20. Jahrhundert. Es ist eine vielstimmige und sprachgewaltige Erzählung über Gier und Großmut, Bosheit und Missgunst vor dem Hintergrund der katastrophisch erlebten Umwälzungen des Kommunismus auf dem Lande: Enteignung des Grundbesitzes, Zwangs-Vergenossenschaftungen, Herrschaft kleinkarierter Parteifunktionäre.

Zu seinem 80er sagte der Autor der ungarischen Nachrichtenagentur MTI, dass er wohl noch ein paar Dinge schreiben wolle, aber nicht mehr in monumentalen Umfängen. „Die Bäume sterben im Stehen, ich beim Schreiben – na, das wäre ein schöner Tod.“

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