Im Burgenland zeigt sich derzeit besonders deutlich, vor welcher Herausforderung die heimische Landwirtschaft steht: Die Ernte wartet nicht, auch dann nicht, wenn auf den Feldern helfende Hände fehlen. Um den Bauern aus der Patsche zu helfen, fordert Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich „eine drastische Aufstockung“ bei ausländischen Saisonarbeitern.
Paradeiser, Paprika, Zucchini, Gurken, Karotten, Zwiebeln, Kartoffeln, Salat, Äpfel und Birnen: Im Burgenland läuft die Ernte gerade auf Hochtouren. Die Nachfrage nach frischem Obst und Gemüse ist groß. Doch gleichzeitig sind viele Bauern in der Klemme, weil es ihnen auf den Feldern an Erntehelfern fehlt – die „Krone“ berichtete.
„Kein landwirtschaftlicher Betrieb soll aufgrund fehlender Arbeitskräfte seine Ernte nicht einbringen können. Wir werden daher weiterhin darauf drängen, dass ausreichend Personal zur Verfügung steht und die gesetzlichen und kollektivvertraglichen Standards eingehalten werden. Faire Arbeitsbedingungen sind nicht verhandelbar!“, mahnt Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich vor Ausbeutung.
G‘riss um Kontingentplätze
Für viele Menschen aus der heimischen Bevölkerung ist stundenlanges Bücken und Pflücken bei Hitze körperliche Schwerstarbeit. Deshalb halfen stets Saisonarbeiter aus Ungarn, Rumänien und der Slowakei aus. Aber diese Quelle versiegt zunehmend, weil die Löhne in diesen Ländern steigen und für viele Helfer nun kein Anreiz mehr für Saisonarbeit in Österreich besteht. Zusätzlich ist die Zahl an Arbeitskräften aus Drittstaaten begrenzt, und das Kontingent für heuer trotz Überziehungsrahmen von bis zu 30 Prozent ausgeschöpft. Die burgenländische Landwirtschaftskammer hat deshalb schon eine Bedarfserhebung für 2027 gestartet und setzt sich „für eine massive Aufstockung“ ein.
Die Kontingentplätze für die Ausländerbeschäftigung werden jedes Jahr vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz festgelegt. Für den Wirtschaftszweig Land- und Forstwirtschaft wurde 2026 österreichweit ein Kontingent von 3496 für die befristete Beschäftigung von ausländischen Saisonarbeitskräften beschlossen. Im Burgenland sind 61 Plätze im Kontingent Landwirtschaft vorgesehen. In Oberösterreich sind es 2026 insgesamt 1059 Kontingentplätze – also rund 31 Prozent des gesamten österreichischen Kontingents und damit mehr als in jedem anderen Bundesland. Ein geringeres Kontingent als das Burgenland hat heuer nur Salzburg (54 Plätze).
Politische Lösung erforderlich
Berlakovich befürwortet faire und angemessene Löhne für Erntehelfer – aktuell beträgt der Mindestlohn 1.870,96 Euro brutto pro Monat bei Vollzeit. Er betont aber, dass die Höhe „Sache der Sozialpartner“ sei und abhängig von den „Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite“. Bewegen müsse sich also die Politik, indem sie vernünftige Rahmenbedingungen schafft. Aber auch die Bauern selbst seien gefragt: „Sie müssen attraktive Arbeitsplätze anbieten und ihre Verantwortung als Arbeitgeber wahrnehmen.“
Die Konsumenten müssen bereit sein, für regionale und unter fairen Bedingungen produzierte Lebensmittel einen entsprechenden Preis zu bezahlen.
Nikolaus Berlakovich, Landwirtschaftskammerpräsident im Burgenland
In die Diskussion einschließen müsse man zudem den Handel und die Konsumenten. Immerhin bestimmen wir alle mit unseren Einkäufen mit, ob unsere Landwirte überleben können oder nicht. „Faire Arbeitsbedingungen brauchen faire Erzeugerpreise. Wenn heimische Betriebe aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr in der Lage sind, uns mit regionalen Produkten zu versorgen, werden wir diese Lebensmittel importieren müssen. Dann besteht die Gefahr, dass sie unter deutlich niedrigeren Produktions-, Sozial- und Umweltstandards erzeugt wurden. Das kann nicht unser Ziel sein!“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.