Knapp drei Jahrzehnte nach dem Mord an US-Rapper Tupac Shakur muss sich ein Mann in Las Vegas in dem spektakulären Fall vor Gericht verantworten.
Zum Auftakt des Prozesses brachte die Anklage Rache als Motiv vor. Die Verteidigung hielt dagegen, dass es nur „Fiktion“, aber keine echten Fakten für einen Schuldspruch geben würde.
Prozessbeobachter gehen von einem mehrwöchigen Verfahren aus. Der Verdächtige und frühere Gang-Anführer war 2023 in Las Vegas festgenommen und unter anderem wegen Mordes mit Gebrauch einer tödlichen Waffe angeklagt worden. Vor Gericht hatte er auf nicht schuldig plädiert.
Verdächtiger saß in Cadillac
Der Angeklagte ist der einzige Insasse aus dem Auto, der noch lebt. Er selbst hatte in der Vergangenheit mehrfach darüber gesprochen, dass er in dem weißen Cadillac gesessen habe, aus dem die Schüsse abgefeuert wurden. Auch in seinen 2019 veröffentlichten Memoiren „Compton Street Legend“ schrieb er über den Vorfall. Im Fall einer Verurteilung droht dem 63-Jährigen eine lebenslange Gefängnisstrafe.
„Fiktion“ statt Tatsachen
Verteidiger Michael Sanft wiederum beschrieb seinen Mandanten am Montag als Lügner und Angeber, der viele Dinge erfunden habe, etwa um daraus Kapital zu schlagen. Es sei reine „Fiktion“ und nicht etwa Tatsachen, wie es die Anklage darstellen würde. Sanft hielt den Ermittlern zudem vor, dass bei der Untersuchung des Vorfalls viele Fehler gemacht worden seien. Die Mordwaffe wurde beispielsweise nie gefunden.
Video von Prügelvorfall
Zum Auftakt wurden den zwölf Geschworenen im Gerichtssaal Videoaufnahmen von dem Prügelvorfall gezeigt. Zur Vergeltung für den Angriff auf seinen Neffen habe der Angeklagte damals den Mordplan ausgeheckt, sagte Bezirksstaatsanwalt Binu Palal. Der Mann habe die Tatwaffe besorgt und sie dann im weißen Cadillac den hinten sitzenden Männern gereicht, um auf Shakur und Knight im fahrenden Auto zu schießen.
Der damals 25 Jahre alte Tupac wurde am 7. September 1996 in einem Auto in Las Vegas angeschossen und starb sechs Tage später im Krankenhaus. Er verweigerte die Kooperation mit der Polizei und verriet den Namen seines Mörders nicht.
Der Rapper war in der Tatnacht mit Suge Knight, Mitbegründer des für Gangsta-Rap bekannten Labels Death Row Records, unterwegs gewesen. Sie hatten sich in der Casino-Stadt einen Boxkampf von Mike Tyson angesehen. Danach war es in einem Hotel zu einer Schlägerei gekommen, bei der ein Neffe des Angeklagten von Shakur und dessen Gefolgsleuten verprügelt wurde. Onkel und Neffe gehörten demnach einer südkalifornischen Bande an, die mit der Gang, der Suge Knight nahestand, verfeindet war.
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