Cambridge-Star tot

Was hinter dem Drama um Jason Arday steckt

Ausland
17.08.2026 16:44

Jason Arday wurde mit 37 Jahren zum jüngsten schwarzen Professor in Cambridge. Im Laufe des Jahres geriet er wegen Plagiatsvorwürfen und weiterer Fragen zu Angaben über seinen akademischen und persönlichen Werdegang unter Druck. Er trat zurück, sprach von einer unerträglichen Belastung. Nun ist der 41-Jährige tot.

Die Geschichte begann mit großem Erfolg und endete in einer Tragödie. Jason Arday, ein ehemaliger Cambridge-Professor für Bildungssoziologie, wurde am Freitag tot in Battersea im Süden von London gefunden. Der 41-Jährige war wenige Tage zuvor von seinem Posten zurückgetreten. Jason hatte vor drei Jahren etwas Außergewöhnliches erreicht: Mit 37 Jahren wurde er zum jüngsten schwarzen Professor der Universität Cambridge. Seine Ernennung wurde als Zeichen für mehr Vielfalt in der akademischen Welt gefeiert.

Öffentlicher Druck wurde immens
Doch in den vergangenen Wochen wurde aus Anerkennung – öffentlicher Druck. Medien berichteten über Plagiatsvorwürfe und Zweifel an Angaben zu seinem akademischen und persönlichen Werdegang. Besonders der US-Forscher Nathan Cofnas erhob Vorwürfe gegen Arday. Sie wurden anschließend von weiteren Medien und Kommentatoren aufgegriffen.

Am 5. August trat Arday schließlich von seiner Professur zurück. Er sagte damals, er habe „die Grenze dessen erreicht, was irgendeinem Menschen vernünftigerweise zugemutet werden sollte“. Neun Tage später wurde er tot aufgefunden. Die Polizei behandelt seinen Tod derzeit nicht als verdächtig. Die genauen Umstände werden noch untersucht.

Familie spricht von „Mobbing-Kampagne“
Seine Familie erklärte, Arday sei in seinen letzten Wochen massivem Druck ausgesetzt gewesen. Sie spricht von einer „Mobbing-Kampagne“ und kritisiert die vielen Gerüchte über seine wissenschaftliche Arbeit und sein Privatleben. 

Auch die Universität Cambridge steht nun unter Druck. Die Universität hatte Jason zunächst verteidigt, Anfang August aber eine interne Untersuchung angekündigt. Nach seinem Tod wird darüber diskutiert, ob die Universität genug getan hat, um ihn zu schützen.

Rektor warnt vor „rassistischem Wahn“
Cambridge-Rektor Chris Smith meldete sich am Montag zu Wort. Im Gespräch mit der BBC betonte er, Plagiatsvorwürfe müssten selbstverständlich gründlich geprüft werden. Gleichzeitig wolle er sich nicht an einem „rassistischen Wahn“ rund um einen einzelnen Akademiker beteiligen.

Damit bekommt der Fall eine weitere, besonders schwierige Ebene. Arday war nicht irgendein Professor. Seine Ernennung zum jüngsten schwarzen Professor Cambridges hatte ihn zu einer Symbolfigur für mehr Vielfalt und Inklusion gemacht. Seine Ernennung spielte auch in der späteren öffentlichen Debatte über die Vorwürfe eine zentrale Rolle. Nun stellt sich die Frage: Wie viel öffentliche Kontrolle ist notwendig – und wann wird aus berechtigter Kritik eine Hetzjagd?

Viele Menschen fordern Aufklärung
Nach Ardays Tod wächst der Ruf nach einer unabhängigen Untersuchung. Zehntausende Menschen haben inzwischen eine Petition für eine Untersuchung des Falls unterzeichnet. Am Montag waren es fast 32.400 Unterschriften. Für Montagabend ist in London eine Mahnwache für den Professor geplant.

Was genau in den letzten Tagen von Jason Ardays Leben geschah, ist noch nicht vollständig geklärt. Fest steht: Seine Familie trauert um ihn – und Cambridge muss sich einigen unangenehmen Fragen stellen.

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