Während Polizisten aus ganz Österreich nach Wien beordert werden, um die Jugendkriminalität zu bekämpfen, bleibt Vorarlberg außen vor. Der Grund dafür: Das Ländle ist aufgrund Personalmangels selbst auf Verstärkung aus anderen Bundesländern angewiesen.
Zur Bekämpfung der Jugendkriminalität in Wien entsendet das Innenministerium Polizisten aus fast allen Bundesländern in die Hauptstadt. Vorarlberg stellt hierbei jedoch eine Ausnahme dar. Anstatt Personal abzugeben, erhält die Ländle-Polizei aufgrund des eigenen Personalengpasses selbst Unterstützung. Laut offiziellen Angaben werden zehn bis 20 zusätzliche Beamte nach Vorarlberg versetzt. Diese Form der „Amtshilfe“ besteht bereits seit zwei Jahren, die entsendeten Kräfte kommen unter anderem aus der Steiermark und Oberösterreich.
Personalmangel bei Bereitschaftseinheit
Hintergrund für den Bedarf in Vorarlberg ist eine vom Ministerium als „prekär“ bezeichnete Personalsituation auf den Polizeiinspektionen. Die Verstärkung wird gezielt den Schnellen Reaktionskräften (SRK) zugeteilt. Diese Einheit ist vorwiegend aus jungen Polizisten zusammengestellt. Diese befinden sich in den ersten Monaten nach Abschluss ihrer Grundausbildung und sollen dort wertvolle praktische Einsatzerfahrung für ihren weiteren Dienstweg sammeln.
Hoffen auf baldige Besserung
Die Zuteilung von externen Kräften kann allerdings nur eine vorübergehende Lösung sein. Die Landespolizeidirektion ist zuversichtlich, den Personalbedarf bald wieder aus eigenen Reihen decken zu können. Eine Ausbildungsoffensive trage bereits Früchte: Seit März haben 32 Polizeischüler ihre Ausbildung begonnen. Für den Herbst sind 60 weitere Aufnahmen geplant. Zusätzlich werden noch in diesem Jahr 55 Bedienstete ihre Grundausbildung abschließen und für den Polizeidienst zur Verfügung stehen. Läuft alles nach Plan, soll die Bereitschaftseinheit schon bald wieder mit eigenem Personal besetzt werden.
Leiter fordert „Vorarlberg-Bonus“ für Polizisten
Für SPÖ-Sicherheitssprecher Mario Leiter greifen die Maßnahmen zu kurz, er ortet ein grundsätzliches Problem: „Wenn wir Polizeikräfte aus anderen Bundesländern brauchen, dann müssen wir uns endlich die Frage stellen, warum es so schwierig ist, genügend Polizisten dauerhaft für Vorarlberg zu gewinnen und hier zu halten.“ Seine Antwort: Die Polizisten in Vorarlberg verdienen in Relation zu den hohen Lebenshaltungskosten zu wenig. Die Praxis, dass alle Bundespolizisten nach einem einheitlichen Schema besoldet werden, möchte Leiter adaptieren. Er würde sich eine angemessene Zulage für Angehörige der Bundespolizei in Regionen mit deutlich überdurchschnittlichen Lebenshaltungskosten wünschen.
Bis es eine bundesweite Lösung gibt, solle die Landesregierung einen „Vorarlberg Bonus“ auf den Weg bringen, um die Kaufkraftnachteile auszugleichen. Diesbezüglich tue sich aber wenig: „Sowohl die ÖVP als auch die FPÖ schicken lieber Briefe an den Innenminister, anstatt selbst an einer Lösung zu arbeiten“, ärgert sich Leiter, dessen Partei bereits vor Monaten im Landtag einen Antrag für einen „Vorarlberg-Bonus“ eingebracht hatte.
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