Nach ihrer Mitwirkung im Musiktheater „Passion of the Common Man“ begab sich Anne Sofie von Otter am Mittwoch in ganz andere musikalische Welten und begeisterte mit einem Chansonabend.
Ihrer Rolle des „Masters of Ceremonies“ im futuristischen Musiktheater „Passion of The Common Man“ stellte die große Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter am Mittwoch einen Chansonabend im Rahmen der Bregenzer Festspiele gegenüber. Zusammen mit ihrer Band, bestehend aus Johan Siberg, Klavier, Fabian Frederiksson, Gitarre, Bengan Janson, Akkordeon, und Anders Jakobsson, Violine, entführte sie das Publikum in die Welt des französischen Chansons und im zweiten Teil ins Berlin der 1920er-Jahre: Dazwischen sang sie einige Volkslieder aus ihrer Heimat Schweden, wohin sie mit ihrer dritten Zugabe auch zurückkehrte.
Das Publikum kannte kein Halten mehr
Da hatte sie das Publikum bereits derart für sich eingenommen, dass die Leute mitklatschten und mitsangen. Kaum zu glauben, dass Anne Sofie von Otter, diese blendend aussehende und eine wunderbare Energie verbreitende Sängerin, bereits 70 Jahre alt ist. Die Vielseitigkeit, die sie in Bregenz bewies, ist das Markenzeichen ihrer ganzen Karriere. Klassischen Rollen stehen Auftritte in gewagten Inszenierungen, etwa von Martin Kušej oder Christoph Marthaler, gegenüber. Auch ihre CD-Einspielungen, bei denen sie zuweilen mit Popkünstlern zusammenarbeitete, zeigen dies. Sie kann das alles. Von groß aufblühenden Tönen bis zu ungemein weichen, intimen Klangfarben hat sich ihre Stimme in all den Jahren ihrer bemerkenswerten Karriere die Geschmeidigkeit und den Farbenreichtum bewahrt.
Schwungvoller Beginn, leise Töne zum Ende
Schwungvoll beginnt sie ihr Programm mit dem titelgebenden Chanson „Douce France“ von Charles Trenet. Sehr persönlich und intim gestaltet sie bald darauf „Ma solitude“ von Georges Moustaki, um dann mit „Padam, padam“ von Norbert Glanzberg aufzutrumpfen. Anne Sofie von Otter moderierte auch und erzählte so manche Geschichte, etwa die um den Song „Göttingen“. In dieser deutschen Stadt trat die jüdische Sängerin Barbara bald nach 1945 auf und befand, dass sich die Menschen, ganz gleich wo, doch sehr ähnlich sind. Nach dem kurzen Ausflug nach Schweden ging es ins Berlin der 1920er-Jahre. Jetzt gab es Frivoles, etwa mit Nico Dostals „Heut’ Abend lad’ ich mir die Liebe ein“ und wunderbar Poetisches mit Vertonungen von Gedichten Bert Brechts. Und diese leisen und durch und durch authentischen Töne waren das Kostbarste dieses Lieder- und Chansonabends.
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