Sittenbild mit Humor

Santonino erzählt, was in Kärnten einst geschah

Kärnten
06.08.2026 16:01

Vom damals feinen Italien in die derbere Alpengegend: Ein Bischof und sein Sekretär auf Visite in Kärnten und Osttirol; das Reisetagebuch aus dem Mittelalter wurde zum sehenswerten Schauspiel.

Eine Reise nach Kärnten und Osttirol unternahmen 1485 Bischof Pietro von Caorle und sein Sekretär, der Jurist Paolo Santonino. Was sie im Lesach-, Drau-, Gail- und Gitschtal sowie in Osttirol erlebten, schrieb Santonino in seinem Tagebuch nieder, das als Sittenbild des ausgehenden Mittelalters gilt.

Einiges ist gleich geblieben...
Von diesen Aufzeichnungen ließ sich der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Engelbert Obernosterer zu einem Schauspiel inspirieren, das 2004 Premiere feierte und 20 Jahre später wieder gegeben wurde. „In den Unterschichten hätte ich zu Santoninos Zeit nicht leben wollen. Aber einiges hat sich seither nicht verändert, beispielsweise die Verlogenheit. Kirchliche Würdenträger und Ritter waren nicht unbedingt seriös. Ich stichle ein bisschen in meinem Text: Wenn die italienische Hochkultur auf die berglerische Kultur trifft, wenn es um Frisuren und das Beinkleid geht“, so Obernosterer 2024 zur „Krone“.

Heuer gibt es noch an vier Abenden die Möglichkeit zur Zeitreise; sie führt zum groben Görzer Grafen Leonhard und seiner Gräfin Paola Gonzaga auf Schloss Bruck in Lienz, zu einem pikanten Problem in St. Daniel, wo der Graf soll die erst 16-jährige Tochter eines Fuhrmannes geschwängert haben soll, zu einem außereheliches Stelldichein und zu einem Festmahl.

Was? Wann? Wo?

„Paolo Santonino“: Freitag, 7. August (20.30 Uhr), und Samstag, 8. August (20.30 Uhr), beim Schloss Möderndorf vor dem GailtalMuseum; 

13. und 14. August (20.30 Uhr), Spitalskirche/BORG Lienz.

Karten auf www.santonino.at oder bei den Raiffeisenbanken in Hermagor und Kötschach.

Zu Ehren des 90. Geburtstages des Autors
Werner Wölbitsch, bei der Uraufführung Graf Leonhard von Görz, ist mittlerweile Regisseur des sehenswerten Schauspiels. Zu Ehren von Engelbert Obernosterers 90. Geburtstag, den der Autor am 28. Dezember feiert, wird das Stück heuer noch viermal gezeigt. Auf der Bühne stehen Amateurdarsteller, Mitglieder von Faschingsgilden und einer, der in der Wirtschaft bekannt wurde: Herbert Waldner, früher Darsteller bei der Theatergruppe Joker, heute Immobilienentwickler, spielt den Burgherren zu Weidenburg.

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