AKW bleibt in Betrieb

Ungarische Ingenieure meistern Wasserkrise

Ausland
04.08.2026 16:27

Die Abschaltung des AKW Paks in Ungarn ist zwar eingeleitet worden. Am Dienstag war nur mehr eine Turbine in Betrieb. Doch am Montagabend gelang es Ingenieuren des Kraftwerks, die erforderliche Kühlwassermenge zu reduzieren. Zudem kam es in der Nacht auf Dienstag auch noch zu einem Anstieg des Donaupegels. Premier Péter Magyar erklärte, dass das AKW „vorerst am Netz bleiben kann“.

Am Vortag hatte der 45-jährige Regierungschef angekündigt, dass das gesamte AKW erstmals seit 44 Jahren abgeschaltet werden würde. Auch am Montag hatte es ursprünglich noch danach ausgeschaut. Doch vorerst sei der Betrieb und auch die Energieversorgung des Landes „gesichert“, so Magyar. 

Entscheidend sei nun, ob die für die zweite Wochenhälfte in Deutschland und Österreich erwarteten Niederschläge tatsächlich eintreten. „Das zusätzliche Wasser könnte innerhalb etwa einer Woche die Donau in Ungarn erreichen und dann die Wiederinbetriebnahme der vorübergehend abgeschalteten Blöcke ermöglichen“, erklärte der Regierungschef auf seiner Facebook-Seite. Bis dahin arbeiteten die Experten daran, den derzeit noch laufenden Turbinenbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Wasser- und Energieversorgung des Landes sei stabil, dennoch stünden noch „zwei bis drei schwierige Tage bevor“.

Aus diesem mit Donauwasser gefüllten Becken wird Kühlwasser in das AKW Paks geleitet.
Aus diesem mit Donauwasser gefüllten Becken wird Kühlwasser in das AKW Paks geleitet.(Bild: AFP/ATTILA KISBENEDEK)

Kritik für Versäumnisse der Orbán-Regierung
Laut Magyar könnte die Energiekrise dem Land schätzungsweise 50 Milliarden Forint (rund 137 Mio. Euro) kosten, da Importe teurer seien als der Strom von Paks. Der Premier kritisierte die abgewählte Regierung seines Vorgängers Viktor Orbán für deren Versäumnisse. Experten hätten bereits 2018 die Umlagerung der Pumpen im AKW zur Kühlwasser-Sicherung empfohlen, was nicht geschah. Unter Orbán seien keine Windparks gebaut worden, noch gebe es Fortschritte hinsichtlich des umstrittenen Baus von Paks II. Die zwei neuen Blöcke sollen durch den russischen Staatskonzern Rosatom gebaut werden.

Lob für Stromeinsparungen bei Bevölkerung und Wirtschaft
Lob gab es hingegen für die Unternehmen und die Bevölkerung des Landes. Sie hätten in den vergangenen Tagen den Stromverbrauch erfolgreich reduzieren können. Die Lage macht nämlich Einschränkungen des wirtschaftlichen und privaten Lebens erforderlich. Wie berichtet, wurden in Ungarn Trinkwasser-, Strom- und Energiesparmaßnahmen verhängt: Es gelten Wasserbeschränkungen für nicht notwendige Nutzungen, die Großindustrie kann bei ausbleibender Verbrauchssenkung laut einer neuen Verordnung vorübergehend vom Netz getrennt werden, und der Schienengüterverkehr wird zu Spitzenverbrauchszeiten eingeschränkt. 

Die Maßnahmen betreffen inzwischen auch viele österreichische Unternehmen. Der Wirtschaftskammer zufolge sind rund 1400 heimische Tochterunternehmen im östlichen Nachbarland aktiv. Zudem ist Österreich, nach Deutschland, der zweitgrößte Investor in Ungarn.

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