Situation angespannt
Ceuta: „Noch immer Tausende Migranten hier“
Nach dem beispiellosen Ansturm von Migranten auf Ceuta ist der Großteil der Neuankömmlinge wieder nach Marokko zurückgekehrt. Laut spanischen Medien halten sich aber noch einige Hundert Migranten in der Exklave auf und kampieren vorwiegend am Strand und vor Erstaufnahmezentren. Von einer Rückkehr zur Normalität will Regionalpräsident Juan Jesús Vivas nichts wissen. Er spricht gar von „Tausenden Menschen, die geblieben sind“.
Tatsächlich sieht man auf Live-Bildern der Nachrichtenagentur Reuters Strandabschnitte in Ceuta, die gesäumt sind mit Dutzenden Menschen – vorwiegend jungen Männern – aus Nordafrika. Auch die spanische Polizeigewerkschaft Jupol widerspricht „falschen Narrativen“. Die Situation erfordere weiterhin „umfassende Sicherheitsmaßnahmen“, postete die Gewerkschaft auf der Kurznachrichtenplattform X. Als Beweis veröffentlichte die Polizei Aufnahmen von Auseinandersetzungen zwischen Migranten und den Sicherheitskräften (siehe Posting unten).
Polizei: „Spannung hält an“
„Die Spannung hält in Ceuta an. Die Bilder zeigen den Strand in Trampolín, wo die Polizei eine Gruppe von Migranten abgesperrt hält, die nach dem massiven Eintritt der letzten Tage noch immer in der Stadt verbleiben“, erklärte die Polizei dazu.
Vor dem Aufnahmezentrum CETI warten weiterhin rund 1000 Migranten auf Einlass. Bereits jetzt sind dort Medienberichten zufolge über 700 Menschen untergebracht. Die Einrichtung ist allerdings für 500 Personen ausgelegt. Mit anderen Worten: Das Aufnahmezentrum ist völlig überlastet.
Schwimmende Grenzbarriere aufgebaut
Schnell verwirklichte die Zentralregierung die Ankündigung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, mit einer rund 500 Meter langen aufblasbaren orangefarbenen Barriere ein weiteres Hindernis an der Grenze zu schaffen. Die schwimmende Sperre, die je nach Wellengang etwa 30 bis 70 Zentimeter aus dem Wasser ragt und bis zu einem Meter in die Tiefe reicht, soll verhindern, dass Migranten schwimmend nach Ceuta gelangen. Die Barriere ist im Grunde eine Verlängerung des Grenzdamms an Land im Meer.
Die Barriere solle auch dazu beitragen, dass die Kontrolle und Überwachung des Gebiets verbessert werde, heißt es vom Innenministerium. Mit der neuen Sperre, die durch eine Bojenkette verstärkt wird, will Madrid aber nicht zuletzt eine Lücke schließen, die nach Einschätzung mancher Beobachter durch ein Urteil des Obersten Gerichts entstanden war.
Verschärfte Debatte in der EU
In der EU verschärft sich die Debatte über den Schutz der Außengrenzen. Am Dienstag wollen die EU-Innenminister per Videokonferenz über die Krise beraten. Das Treffen könnte auch der Aussprache dienen – waren in den vergangenen Tagen deutliche Risse zwischen den EU-Partnern sichtbar geworden. Italien und Dänemark initiierten einen offenen Brief, in dem Madrid indirekt vorgeworfen wird, mit jüngsten migrationspolitischen Entscheidungen unerwünschte Signale gesendet zu haben. 22 der 27 EU-Staats- und Regierungschefs unterzeichneten ihn, darunter auch Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP).
Sánchez kritisierte die Reaktion einiger EU-Partner als von „Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Interessen“ getrieben. Ceuta gehöre nicht zum Schengen-Raum, schrieb er an die EU-Spitze. Migranten könnten von dort nicht ohne Weiteres in andere EU-Staaten weiterreisen.












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