„In einer Minute arm“

Schlimme Erinnerungen an Hochwasser werden wach

Tirol
01.08.2026 07:00

Die Unwetter der vergangenen Tage in Tirol machen die Urgewalt der Natur deutlich sichtbar. In Kundl wurde diese den Bewohnern vor genau 75 Jahren ebenfalls zum Verhängnis. Was damals geschah und warum sogar Bundespräsident Theodor Körner vor Ort war. 

„Ich hab‘ halt gedacht, der Jüngste Tag kommt.“ Dieses Zitat einer Bäuerin steht am Beginn eines Zeitungsberichts aus dem Jahr 1951. Groß wurde damals über ein Ereignis berichtet, das die Gemeinde Kundl erschütterte. Ein Unwetter riss in einer Nacht Mitte August die Bewohner aus dem Schlaf.

Der frisch gewählte Bundespräsident Theodor Körner besuchte im Jahr 1951 Kundl und machte sich ...
Der frisch gewählte Bundespräsident Theodor Körner besuchte im Jahr 1951 Kundl und machte sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung.(Bild: Privatarchiv Sollerer)
Französische Studenten halfen bei den Aufräumarbeiten. Sie waren wegen des Unwetters in Tirol ...
Französische Studenten halfen bei den Aufräumarbeiten. Sie waren wegen des Unwetters in Tirol „gestrandet“.(Bild: Privatarchiv Sollerer)

„Die Ache durch die Kundler Klamm schwoll innerhalb kürzester Zeit katastrophal an, überschwemmte Kundl, nachdem Geröll, Schlamm, Holz, Äste und ein weggeschwemmter Steg die Brücke der Bundesstraße verklausten und das Wasser in den Ort abgeleitet wurde“, schildert Hannes Sollerer aus Wörgl, aus dessen Archiv die historischen Aufnahmen stammen.

Alte Brücke weg! Ein Notsteg für Fußgänger wurde errichtet.
Alte Brücke weg! Ein Notsteg für Fußgänger wurde errichtet.(Bild: Privatarchiv Sollerer)
Dann der Bau einer Ersatzbrücke. Durch das Unwetter waren Ortsteile abgeschnitten.
Dann der Bau einer Ersatzbrücke. Durch das Unwetter waren Ortsteile abgeschnitten.(Bild: Privatarchiv Sollerer)

Viele Bewohner standen plötzlich vor dem Nichts
„Ein Sattlermeister an der Bundesstraße war in einer Minute ein armer Mann geworden. Er hatte das Wasser im ganzen Haus. Werkzeug, Stoffe und fertige Arbeiten, alles fiel der Überschwemmung zum Opfer“, wird im Zeitungsbericht von den persönlichen Schicksalen berichtet. Viele Kundler haben durch das Unwetter großen Schaden erlitten. Laut Überlieferungen kamen zum Glück aber keine Menschen zu Schaden, auch die meisten Tiere in den Ställen konnten rechtzeitig gerettet werden.

Versichert war kaum jemand. Und so hoffte die Bevölkerung auf Hilfe vom Staat. Da traf es sich gut, dass der damals frisch gewählte Bundespräsident Theodor Körner gerade einen Tirol-Besuch absolvierte. Er änderte seinen Reiseplan und eilte nach Kundl. Der Staatschef sicherte den Betroffenen Unterstützung in der schweren Zeit zu.

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