Werden Riesenproblem

THC-Drinks: Immer mehr Kinder in Notaufnahmen

Ausland
31.07.2026 09:06
Porträt von krone.at
Von krone.at

Während der erleichterte Zugang zu Cannabis in Deutschland nur zu einem moderaten und teils vorübergehenden Anstieg von Spitalaufenthalten durch THC-Konsum geführt hat, wächst in den USA die Sorge vor einer neuen Entwicklung. Dort tauchen THC-haltige Getränke und Lebensmittel illegal immer häufiger in Supermärkten auf.

Besonders alarmierend ist, dass auch Kinder und Jugendliche mit diesen Produkten in Kontakt kommen. Immer wieder landen Minderjährige nach dem Konsum in Notaufnahmen. Behörden warnen vor der Gefahr, weil viele der Produkte auf den ersten Blick wie gewöhnliche Süßigkeiten, Snacks oder Getränke wirken und unkompliziert erhältlich sind.

Kaum von Wellnessgetränken zu unterscheiden
„Getränke – mit Namen wie Oasis, Cann, Milonga, Cycling Frog, Tempter‘s, Gigli und Mighty Kind – sind oft kaum von Eistee, probiotischen Limonaden und anderen als Wellness vermarkteten ‘Funktionsgetränken‘ zu unterscheiden“, so Sarah Todd, Berichterstatterin des US-Pharma-Informationsdienstes STAT.

1 Milligramm
Die 2023 verabschiedeten Vorschriften begrenzen den THC-Gehalt auf maximal ein Milligramm pro Portion. Dennoch werden Getränke mit bis zu hundertfacher Menge verkauft.

Ohne Ausweis erhältlich
Auf den Etiketten, deren Schriftgrößen von auffällig bis kaum lesbar reichten, werde zwar darauf hingewiesen, dass sie THC, den psychoaktiven Wirkstoff in Cannabis, enthielten. Doch an der Kasse werde meist kein Ausweis verlangt.

Gesundheitliche Folgen
Ärzte, Forscher und Interessenverbände warnen in den USA davor, dass diese leicht zugänglichen und ungenau gekennzeichneten Getränke das Risiko einer versehentlichen THC-Aufnahme erhöhen und die Gesundheit von Jugendlichen und anderen gefährdeten Gruppen gefährden.

Möglicherweise weichen in den USA Konsumenten auch von Cannabis zum Rauchen auf THC in essbarer ...
Möglicherweise weichen in den USA Konsumenten auch von Cannabis zum Rauchen auf THC in essbarer oder trinkbarer Form aus. Hinzu kommen wahrscheinlich völlig Uninformierte. Menschen, die sich mit der Welt von Marihuana weniger auskennen, wissen womöglich gar nicht, was THC bedeutet.(Bild: AFP/ANGELA WEISS)

Vier bis fünf Fälle pro Woche
Rudy Kink, Kinderarzt in der Notaufnahme des Le Bonheur Children‘s Hospital in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee, schätzt, dass das Krankenhaus wöchentlich vier bis fünf Fälle behandelt – eine Mischung aus neugierigen Kindern, die von bunten Verpackungen angezogen werden, und Teenagern, die absichtlich mit Cannabis experimentieren. Gelegentlich käme es vor, dass ein Jugendlicher ein Cannabisgetränk mit Limonade verwechselt.

„Die Kinder werden apathisch, verwirrt, manchmal mit Übelkeit und Erbrechen, manchmal sogar komatös ins Krankenhaus eingeliefert. Ihre Eltern wissen oft nicht, was los ist, bis Blut- und Urintests THC nachweisen“, schrieb STAT.

In den USA tobt mittlerweile eine Debatte, wie man die THC-Problematik in den Griff bekommen könnte. Die gesetzlichen Regelungen sind zumeist unterschiedlich nach Bundesstaaten.

Schnelle Wirkung

  • Bisherige Tests zeigten, dass die Wirkung der Getränke innerhalb von 15 bis 20 Minuten einsetzt und nach etwa 30 bis 45 Minuten ihren Höhepunkt erreicht. 
  • Herkömmliche Produkte wie Brownies oder Gummibärchen benötigen im Vergleich dazu oft etwa eine Stunde, bis ihre Wirkung einsetzt, und erreichen ihren Höhepunkt erst nach zwei bis drei Stunden.
  • Ein Getränk mit zehn Milligramm THC scheine stärker zu wirken als ein Gummibärchen mit zehn Milligramm des Cannabis-Inhaltsstoffs.

Klare Kennzeichnung nötig
„Ich glaube nicht, dass Teenager die Wirkung von THC und die damit verbundenen medizinischen Probleme wie Erbrechen und Bewusstseinsstörungen wirklich verstehen“, sagt der Kinderarzt. „Ich persönlich würde mir wünschen, dass diese Getränke klar und deutlich als THC-hältig gekennzeichnet werden, damit es keine Verwechslungen gibt.“

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