Fast wie in Havana!

Wo die Wiener im Sommer das Tanzbein schwingen

Wien
02.08.2026 06:00

Egal ob Salsa, Bachata oder Swing: über die Sommermonate hinweg verwandelt sich die Stadt in ein großes Freiluft-Tanzparkett. Was die Menschen zum Tanzen bewegt? Die „Krone“ hat bei ihnen nachgefragt. 

Die Sonne steht tief. Es ist die Zeit, an der der Donaukanal so richtig schummrig, fast romantisch wirkt. Dazu noch sanfte Popmusik und mehr als 30 Leute, die sich fließend zum Takt bewegen. Für einen Augenblick fühlt man sich ein wenig ins kubanische Havana versetzt. Der Bass kann die vorbeirauschenden Autos auf der Oberen Donaustraße allerdings doch nicht ganz übertönen.

Es ist genau jenes Gefühl von Eskapismus, das montags, mittwochs und freitags von zahlreichen Hobbytänzern und Profis jeglichen Alters am Donaukanal geteilt wird. Am Programm stehen lateinamerikanische Tänze und West Coast Swing.

Letzterer kommt aus den USA und zeichnet sich vor allem durch Schritte vor und zurück, anstelle des klassischen Tanzens im Kreis, aus. Dazu kommen weiche Bewegungen und viel Raum für Improvisation, erzählt Stella Maria Schletterer, Geschäftsführerin vom Studio Tanzbogen, die das Event jeden Mittwoch ab 18 Uhr organisiert.

Julia und Sascha schwingen das Tanzbein
Julia und Sascha schwingen das Tanzbein(Bild: Mario Urbantschitsch)
Aus den Boxen erklingt Popmusik
Aus den Boxen erklingt Popmusik(Bild: Mario Urbantschitsch)
Die Events finden direkt neben der Schwedenbrücke statt
Die Events finden direkt neben der Schwedenbrücke statt(Bild: Mario Urbantschitsch)

Bunter Mix
Ein DJ legt einmal langsameren Pop, Blues, bis hin zu aktueller Chart-Musik auf. Die Tanzpartner wechseln nach jedem Song. „Das ist bei dieser Tanzrichtung so üblich. Das Wechseln ist dazu gedacht, mit möglichst vielen Menschen an einem Abend zu tanzen“, sagt die Trainerin. Und was passiert, wenn jemand den Partner nicht ändern will? „Wer dreimal mit der gleichen Person tanzt, muss mit der eigentlich heimgehen“, scherzt sie.

„Tanzen ist Lebensfreude“
Schletterer hat gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner zwei Studios, eines im Ersten und eines im Fünften, aufgebaut. An den Open-Air-Veranstaltungen am Donaukanal machen sowohl Kursteilnehmer als auch Neuzugänge mit. So etwa die Oberösterreicherin Julia (33), die zum ersten Mal dabei ist und sich begeistert zeigt. „Tanzen ist für mich Lebensfreude. Es ist ein schöner Kontrast zum Alltag und beim West Coast Swing kann so viel Kreativität miteinfließen“, sagt sie, bevor sie wieder „auf das Parkett“ huscht. 

Eindrucksvoll schwingen sich auch Rahel (26) und Attila (32) über den Asphalt. Gut, beide sind selbst Tanzlehrer und machen auch bei internationalen Wettbewerben mit. „Der Improvisation sind beim West Coast Swing keine Grenzen gesetzt“, sagt Attila.

Rahel wiederum ist begeistert von den unterschiedlichen Musikrichtungen, zu denen getanzt werden kann. Erst jüngst belegten die Profis bei einem Wettbewerb in Malaysia den ersten Platz. „Es gibt nichts, das mehr Spaß macht“, sagen sie. 

Brasilien oder Leopoldstadt? 

Nicht weniger ausgelassen ist die Stimmung bei den Events von Paraíso Vienna, jeden Montag und Freitag ab 20 Uhr. Über den Abend verteilt schwingen Hunderte Menschen zu Bachata, Salsa oder Kizomba die Hüften, erzählt einer der Organisatoren, Joshua dos Santos Campos. Er und sein Team brachten das Tanzen überhaupt auf den Donaukanal.

Gar nicht so einfach, denn: „Auf einem öffentlichen Raum eine Veranstaltung zu machen, ist sowieso ein Akt der Genehmigung. Es bedarf der Zustimmung verschiedener Positionen“, sagt der gebürtige Brasilianer. Bisher waren die Reaktionen aber stets positiv. Das soll auch so bleiben. Die ganze Stadt soll bald vom Tanzfieber angesteckt werden.

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