Hat Wolodymyr Selenskyj vorschnell gejubelt? Donald Trump habe der Ukraine Lizenzen für den Bau von Patriot-Abwehrraketen zugesagt, erklärte er nach dem Treffen der Präsidenten am Dienstag. Nachdem er seine Erlaubnis bereits in Aussicht gestellt hatte, zögert Trump aber plötzlich.
Er sei sich „nicht sicher“, ob er zustimmen wird, der ukrainischen Führung die benötigten Lizenzen zu erteilen, sagte der US-Präsident gegenüber der „Financial Times“. „Es ist eine sehr außergewöhnliche Waffe, und wir müssen ein wenig vorsichtig sein, an wen wir Lizenzen vergeben“, so Trump in einem Telefonat mit der Zeitung.
Zwei Tage nach Treffen im Weißen Haus
Erst am Dienstag hatte er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Washington empfangen. Trump habe ihm dabei zugesagt, die Lizenzen für den Bau der Raketen zu erteilen, sagte Selenskyj danach dem US-Sender Fox News. Er habe sich auch mit Vertretern der Unternehmen getroffen, die Patriots herstellen und auf eine gemeinschaftliche Produktion, so Selenskyj.
Bereits Anfang Juli hatte Trump beim NATO-Gipfel in der Türkei Patriot-Lizenzen in Aussicht gestellt, um die ukrainische Luftverteidigung zu stärken. Kiew braucht die Waffen aus US-Herstellung dringend, um die ständigen russischen Luftangriffe abwehren zu können – besonders mit Blick auf den nächsten Winter.
Verhandlungen laufen
Die Regierung in Kiew verhandle mit dem US-Verteidigungsministerium über die Erlaubnis, Patriot-Abfangraketen selbst zu produzieren, sagte die ukrainische Botschafterin in Washington, Olha Stefanischyna, am Donnerstag (Ortszeit). Dieser Prozess könne jedoch ein bis fünf Jahre dauern.
Vertreter des „Patriot“-Herstellers Raytheon Co. seien bereits in der Ukraine gewesen, und Lockheed Martin Corp. , das die PAC-3-Abfangraketen für das Luftabwehrsystem herstellt, arbeite daran, ebenfalls ein Expertenteam in das Land zu entsenden, erklärte die Botschafterin während einer Veranstaltung. „Die verheerenden Auswirkungen jedes nächtlichen Angriffs sind derzeit unglaublich“, sagte Stefanischyna. „Letzte Nacht und in der Nacht davor waren es 30 bis 40 ballistische Raketen.“
Witkoff und Kushner kommen nach Kiew
Parallel zu den Rüstungsfragen laufen diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges. Bei seinem Treffen mit Trump im Weißen Haus hatte Selenskyj nach Angaben der Botschafterin sein Angebot wiederholt, die Kämpfe an den aktuellen Frontlinien einzufrieren und dies als Ausgangspunkt für Verhandlungen zu nutzen. In diesem Zusammenhang kündigte Trump laut „Financial Times“ an, dass seine Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff in den kommenden Tagen erstmals in die Ukraine reisen würden. Ein genaues Datum stehe noch nicht fest, der Besuch könnte aber bereits in der nächsten Woche stattfinden, erklärte Stefanischyna.
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