16.10.2014 13:27 |

Mehr Treibhausgase

Studie: Erdgas-Boom würde Ausstoß von CO2 steigern

Obwohl Erdgas-Kraftwerke viel weniger Kohlendioxid (CO2) ausstoßen als Kohlekraftwerke, würde ein Erdgas-Boom die Treibhausgas-Emissionen weltweit nicht senken, so ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Denn massenhaft vorhandenes, billiges Erdgas würde teils auch erneuerbare Energie ersetzen und Energiesparen unattraktiv machen, so die Forscher.

Zwei neue Technologien haben vor allem in den USA dazu geführt, dass große Mengen günstigen Erdgases auf den Markt kamen, so die Wissenschaftler: Die Möglichkeit, horizontal zu bohren, und "Fracking". Dabei wird mit - teils hochproblematischen - Zusatzstoffen versehenes Wasser mit hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um diese aufzubrechen (fracken) und so Gasreservoirs im Schiefergestein anzuzapfen.

Weniger Kohlekraftwerke, weniger CO2
In Amerika führte ein Schiefergas-Boom dazu, dass die CO2-Emissionen gesunken sind, weil dadurch vor allem alte Kohlekraftwerke heruntergefahren werden konnten, so Keywan Riahi vom Energy Programm des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien.

Weltweit würde dies aber nicht funktionieren, wie fünf verschiedene Modellberechnungen zeigten, die jeweils an unterschiedlichen Instituten wie dem IIASA durchgeführt wurden. Die Studie wurde vom US-Forscher Haewon Mc Jeon vom Pacific Northwest National Laboratory geleitet.

Einerseits würde billiges, in großen Mengen vorhandenes Gas zwar Kohle ersetzen, andererseits wäre es aber auch eine Konkurrenz für erneuerbare, CO2-arme Energiequellen, so Riahi. Außerdem brächten niedrige Erdgaspreise unweigerlich eine erhöhte Gesamtnachfrage nach Energie und die Motivation, sie effizient einzusetzen, leide, erklärte er.

Negative Auswirkungen würden überwiegen
Tendenziell würden die negativen Auswirkungen dominieren, sagte sein Kollege Volker Krey. Laut den Berechnungen änderte sich der CO2-Ausstoß zwischen minus zwei und plus elf Prozent. Bloß eines der fünf Modelle habe einen leichten Rückgang der CO2-Emissionen gezeigt, doch auch hier sorgt ein zusätzlicher Effekt für eine insgesamt schlechtere Treibhausgasbilanz, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature".

Bei der Erdgas-Gewinnung strömt nämlich immer eine gewisse Menge an Methan aus, und dieses sei ein viel potenteres Treibhausgas als CO2. "Wegen der Methan-Emissionen ist in Summe in keinem der Modelle ein positiver Effekt auf das Klima zu verzeichnen", so der Klima-und Energieforscher.

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