Wie zäher Schlamm wirkt die dicke Farbschicht, aus der sich ein Kopf erhebt. „Ursuppenmalerei par excellence“, nennt es Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums. Dieses intensive Porträt „Josef von Wertheimstein“ war der Impuls für die Ausstellung „Herbert Boeckl – Hans Josephsohn“. „Es hat mich an die Halbfiguren von Josephsohn erinnert. Daraus entstand die Idee, den Bildhauer und den Maler in einen Dialog treten zu lassen.“
Sehr unterschiedliche Biografien
Der 1920 in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, geborene Josephsohn und der Österreicher Boeckl (1864-1966) sind einander nie begegnet, es trennt sie eine ganze Generation. Der eine kämpfte im Ersten Weltkrieg, der andere musste vor den Nazis erst nach Italien und dann in die Schweiz fliehen. Boeckl stand als Kulturpolitiker oft im Rampenlicht, Josephsohn zog sich als Eremit in sein Atelier zurück. „Es sind sehr unterschiedliche Biografien, und doch ist es spannend, wie sie sich in der Auffassung von Körperlichkeit, Materialität und dem Prozess der Formfindung eins waren. Ich habe viele Analogien gefunden.“
Der Zauber der Kunstwerke
Die Symbiose kann man nun in dieser Gegenüberstellung der Skulpturen und Gemälde entdecken. Wipplinger hat den Werken dabei viel Raum gelassen. „Die Schau setzt stark auf visuelle Impulse und hält sich mit Deutungen zurück, um den Kunstwerken den Zauber nicht zu nehmen.“



Beide folgten nie den Trends ihrer Zeit. Als die Wunden des Ersten Weltkriegs die Neue Sachlichkeit hervorbrachten, blieb der einst von der Akademie der bildenden Künste abgelehnte Boeckl dem Expressionismus treu. „Und das in einer sehr wilden Manier. Farbe wird als Material immer wichtiger, immer dicker aufgetragen, die Konturlinie verschwimmt, die Figuren lösen sich mehr und mehr im Raum auf. Damit war er einem Oskar Kokoschka weit voraus.“
Auch Josephsohns schemenhafte Skulpturen, aus Gips oder in Messing gegossen, entspringen keiner künstlerischen Mode. Das Werk hat etwas „Lebendiges, es ist urewig, es ist zeitlos“, so Wipplinger.
Durch die Decke gegangen
Der Ruhm für Josephsohn kam erst sehr spät. Seinen ersten Galeristen hatte er mit 80. „,Das kommt leider zu spät, es wird mein Lebensgefühl auch nicht mehr verändern‘, meinte er damals. Aber er hat noch 15 Jahre gelebt und mitbekommen, wie er durch die Decke gegangen ist.“ Durch diesen Dialog soll er auch bei uns bekannter werden. „Ich glaube, dass die Österreicher mehr wegen Boeckl kommen werden und in Josephsohn eine Entdeckung finden.“
Die Ausstellung „Herbert Boeckl – Hans Josephsohn“ läuft vom 24. Juli bis 10. 1.
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