Tourismus in Zell/See

Wo Staatschefs, Könige und Künstler abstiegen

Salzburg
28.07.2026 16:30

Die touristischen Wurzeln von Zell am See gehen weit zurück: Die ersten Sommerfrischler suchten schon vor 1900 hier Ruhe und Erholung. Das Grand Hotel am See gilt als Wahrzeichen, das Gründerzeit-Flair verbreitet. Ein neues Buch nimmt Leser auf Zeitreise mit. 

Die lange touristische Geschichte erstaunt selbst Einheimische. Im neuen Buch „Zell am See und sein Grand Hotel“ hat Autor Bernhard Barta erstaunliche Fakten zusammengetragen.

Die Grand Hotel-Terrasse um 1910
Die Grand Hotel-Terrasse um 1910(Bild: Archiv Grand Hotel, Zell am See)

Im ausklingenden 19. Jahrhundert entdeckte das Kaiserhaus Zell am See. Anekdoten werden bis heute gern erzählt: Wie etwa die Geschichte von Kaiserin Sisi, als eine Zeller Wirtin ordentlich fluchte und nicht ahnte, wer sich da an ihr vorbeidrängte.

Im mächtigen Grand Hotel am See geben sich schon seit 130 Jahren Gäste die Klinke in die Hand. Darunter war quer über alle Epochen viel Prominenz. Minister, Abgeordnete, Industrielle und Künstler faszinierte immer schon der Blick über See und Gebirge. Der Schriftsteller Stefan Zweig verliebte sich in die Region, er nächtigte im Grand Hotel und später in einem eigenen Bootshaus in Thumersbach. Komponist Richard Strauss war hier, ebenso der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow. Mehrere Dreharbeiten fanden über die Jahre statt. Auch Hans Moser saß auf der Hotel-Terrasse.

Bauarbeiten bei der Schmittenhöhebahn, die 1927 eröffnete.
Bauarbeiten bei der Schmittenhöhebahn, die 1927 eröffnete.(Bild: Archiv Barta, Wien courtesy Willy)

Die Schmittenhöhebahn wurde schon 1927 errichtet und war damit mit großem Abstand die erste Bergbahn in Salzburg.

1983 wurde das Hotel abgerissen und im Gründerzeit-Stil wieder aufgebaut. 1995 kaufte es Hotelier Wilfried Holleis: „Meine Familie hatte das Grand Hotel schon lange im Auge“, so Holleis, ein Liebhaber von Häusern mit Geschichte. Heute führt er das Haus mit 120 Mitarbeitern und weitere Betriebe wie die Rudolfshütte im Oberpinzgau, wo aktuell noch Verkaufsgespräche laufen, und ein Hotel in Kroatien (ein zweites wurde verkauft).

Chruschtschow (li.), hier mit Kennedy in Wien
Chruschtschow (li.), hier mit Kennedy in Wien(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)

Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern: Valentin, der älteste Sohn, führt die angrenzende Brauerei „Pinzga Bräu am See“. Drei weitere Kinder gehen touristische Wege. Nesthäkchen Cristina ist erst zwölf Jahre alt. „Die Kunst ist es, ein Unternehmen generationenübergreifend zu erhalten“, sagt Holleis, der sich langsam zurückziehen will. 

Zu gesellschaftspolitischen Entwicklungen äußert er sich kritisch: „Es ist heute unmöglich geworden, ein klassisches Hotel zu finanzieren. Es rechnet sich nicht mehr.“ Hoher Kostendruck öffne auch Tür und Tor für Investorenmodelle.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

Salzburg

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung